Sozialwissenschaftliche Vernunft

Warum ich mich selbst als »links« betrachte

Der Verfassungsschutz hat im Frühjahr dieses Jahres für die Beobachtung der »Querdenker-Bewegung« eine neue Kategorie eingerichtet: einen neuen »Phänomenbereich« mit dem Namen »Verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates«, und hier ein sogenanntes »Sammelbeobachtungsobjekt« namens »Demokratiefeindliche und/oder sicherheitsgefährdende Delegitimierung des Staates«. Diese Kategorie sei, wie zum Beispiel die FAZ anmerkt, nötig geworden, um einen befürchteten politischen Extremismus zu erfassen, der sich nicht mehr in die bisherigen Phänomenbereiche »Linksextremismus« und »Rechtsextremismus« einsortieren lasse. Das entspricht durchaus dem sozialwissenschaftlichen Befund. Vor diesem Hintergrund habe ich mich schon länger gefragt, auf was ich meine eigene Selbstverortung im politischen Spektrum eigentlich stütze. Die Antwort auf diese selbst gestellte Frage möchte ich im Folgenden explizit ausformulieren. Es geht mir dabei an dieser Stelle nicht darum, ein generelles »Linkssein« normativ zu verteidigen, sondern nur darum, eine empirische Selbstbeobachtung anzustellen und zu notieren, anhand welcher Merkmale ich meine Selbsteinschätzung vornehme.

Linkshegelianisches Geschichtsbild

Hegel hat die Menschheitsgeschichte als Entwicklungsprozess des Bewusstseins verstanden, als einen Prozess, in dem das Selbstbewusstsein »zu sich selbst« kommt, indem es eine Folge von Widersprüchen durchläuft, die es »dialektisch« auflösen muss, indem es sich von notwendigem Irrtum über notwendigen Irrtum zu immer weiteren, umfassenderen Synthesen der Erkenntnis durchkämpft. Die »linkshegelianisch« genannte kritische Lektüre Hegels wendete diesen Gedanken einer dialektischen Entwicklung auch auf die materiellen, sozialen Verhältnisse an, die sich dadurch ebenfalls als ein zu überwindendes Durchgangsstadium auf dem Weg zu einer historischen »Vollendung« der menschlichen Gesellschaftsformen verstehen ließen, während die »Rechtshegelianer« bereits den Status Quo des 19. Jahrhunderts, insbesondere den preußischen Machtstaat, für die abschließende Synthese des Tatsächlichen mit dem Vernünftigen hielten.

Diesen linkshegelianischen Grundgedanken fand ich immer schon einleuchtend. Geht man in der Vergangenheit weit genug rückwärts, dann wird offensichtlich, dass es Staat, soziale Schichtung und Herrschaft nicht schon seit jeher gegeben hat, sondern diese Formen der Gesellschaft sich aus früheren Formen unter historisch nicht universellen, sondern spezifischen Bedingungen erst entwickelt haben. Ebenso gehe ich davon aus, dass auch die heute gegenwärtigen Formen der Gesellschaft in ein bis zwei Jahrhunderten durch weiterentwickelte Formen abgelöst sein werden, auch wenn es schwierig sein mag, sich die Art dieser Ablösung und die Merkmale der neuen Formen heute schon im Detail vorzustellen. Ein konkretes Beispiel dafür ist, dass ich mich außerstande sehe, mich dem empathischen Verständnis der politischen Rechten von der Nation als Volksgemeinschaft anzuschließen. Für mich ist die Nation nichts weiter als ein bloßes Durchgangsstadium politischer Organisationsformen, das zeitweise von einer gewissen Nützlichkeit, aber genau darin völlig pragmatisch zu bewerten ist.

Das bedeutet nicht, dass ich »identitäre« Auffassungen schlechterdings ablehne – ich fasse sie nur kleinteiliger, als es der Begriff der Nation tut: warum sollten mir als Badner die Holsteiner und die Vorpommern näher stehen als die Elsässer (und damit meine ich die Elsässer in ihrer heutigen Gestalt als zweisprachige Franzosen, die keinesfalls »heim ins Reich« wollen), bloß weil erstere derselben Nation angehören? Und ebenso kann ich meiner Identität auch Exilanten wie die demokratischen Forty-Eighters zuordnen, von denen sehr viele nach 1849 in die USA ausgewandert sind. Ein Geschichtsbild, das mir die amerikanischen Truppen von 1945 als »kulturfremde« Besatzer anstatt als Befreier verkaufen möchte, bleibt mir dementsprechend fremd, unverständlich und unsinnig, und dementsprechend kann ich politischen Identitätskonstruktionen nach Art der »Besiegten von 1945« (Hans-Joachim Arndt), wie sie von der politischen Rechten vorgenommen werden, nichts abgewinnen.

Kritische Theorie der Gesellschaft

Man kann den Linkshegelianismus auch als Urform einer »kritischen Theorie der Gesellschaft« verstehen. Die Institutionen einer Gesellschaft sind weder gottgegeben noch naturnotwendig, sondern ein kulturelles Entwicklungsprodukt, das weiteren Entwicklungen offensteht. Darum kann man grundsätzlich alle gesellschaftlichen Institutionen einer funktionellen Leistungsbewertung unterwerfen und diese mit den für sie gegebenen Rechtfertigungsgründen abgleichen. Dementsprechend kann man mit den Mitteln sozialwissenschaftlicher Erfahrungswissenschaft auch gesellschaftliche Leistungsdefizite erheben und politischen Reformbedarf bestimmen.

»Soziologische Aufklärung« ist ein unverzichtbares Werkzeug der Selbstbeobachtung einer komplexen Gesellschaft, die der politisch mündige Bürger zwar nicht unbedingt selbst produzieren muss, die er aber zur eigenen Urteilsbildung grundsätzlich sinnverstehend nachzuvollziehen bereit sein sollte. Andersherum darf er sie aber auch in Anspruch nehmen, um im Modus des vernunftbasierten Gesprächs selbst Kritik an den Verhältnissen zu üben.

Es geht dabei also nicht um eine sozialtechnologische Expertenherrschaft, sondern im Gegenteil um die Öffnung der Debatte für alle Bürger, die am Prozess des öffentlichen, argumentbasierten Räsonnierens teilnehmen möchten. Zugleich ermöglicht dieses öffentliche Räsonnieren eine breite Partizipation an politischer Urteilsbildung und Entscheidungsfindung – sofern die politischen Verfahren entsprechend eingerichtet sind, um eine breite Partizipation zu ermöglichen. Hier liegt im Übrigen auch die Nahtstelle zwischen linken und liberalen Konzepten von Demokratie.

Mein Verständnis einer »kritischen Theorie der Gesellschaft« im Sinne einer soziologischen Aufklärung ist daher auch weiter gefasst als das, was im ideengeschichtlich engeren Sinne als »Kritische Theorie« bekannt ist, nämlich die »Frankfurter Schule« von Adorno, Horkheimer, Marcuse und Habermas. Es war aber immerhin Habermas, der in den 1970er Jahren die geniale Idee hatte, Hegels philosophisch-idealistische Entwicklungsgeschichte des Geistes mit den Begriffsmitteln der Entwicklungspsychologie (Piaget und Kohlberg) neu zu formulieren und dadurch auf einen empirischen Boden zu holen.

Kritik der politischen Ökonomie

Ideengeschichtlich im strikten Sinne »links« ist auch jene klassische Form einer linkshegelianischen kritischen Theorie, die wir als »Kritik der Politischen Ökonomie« kennen. Damit ist in erster Linie das Werk von Marx und Engels gemeint. Diesseits der ideologischen Verkürzungen, die diese Theorie erlitten hat, ist insbesondere Karl Marx ein Klassiker der Soziologie in dem Sinne, dass seine Kapitalismuskritik den Versuch unternimmt, die gesellschaftlichen Voraussetzungen einer bestimmten ökonomischen Form herauszuarbeiten und seinerseits die ideologischen Verkürzungen in den Annahmen der klassischen Volkswirtschaftslehre, der »bürgerlichen politischen Ökonomie«, auszuweisen. Von diesem Marxschen Theorieprogramm, das die Funktionsweise der kapitalistischen Wirtschaft mit sozialer Klassendifferenzierung und klassenspezifischen Partikularinteressen sowie politischen Machtverhältnissen in Beziehung setzt, gibt es nicht nur ideologische Fortsetzungen wie die des planwirtschaftlichen Staatssozialismus, sondern auch aktuelle, zeitgemäße Anwendungen wie zum Beispiel in den Arbeiten von Wolfgang Streeck. Angesichts der sich aktuell zuspitzenden Krise des Finanzkapitalismus erweist ein solcher analytischer Ansatz als weiterhin unverzichtbar.

Positive Nettobilanz der Aufklärung

Im Rechtskonservatismus ist die These nicht selten, die moderne Gesellschaft insgesamt sei eine historische Fehlentwicklung, weil sie eine anthropologisch notwendige Bindung des Menschen an selbstverständliche, nicht hinterfragte Traditionsbestände zerstöre (so zum Beispiel in Manfred Kleine-Hartlages Kritik »Die liberale Gesellschaft und ihr Ende«). Eventuelle Errungenschaften der Aufklärung werden dieser Auffassung zufolge durch ihre zerstörerischen, selbst-aufhebenden Effekte wieder zunichte gemacht. Auch an dieser Stelle bin ich wieder Hegelianer: bei allen zwischenzeitlichen Rückschritten und Katastrophen, an denen die Menschheitsgeschichte nicht arm ist, gibt es einen langfristigen Trend zur vollen Entfaltung der menschlichen geistigen wie technischen Schöpferkraft, die die menschliche Lebensqualität auf diesem Planeten in der Bilanz verbessert hat. Wir sind noch nicht ans Ende dieser Entwicklung gelangt, denn die Selbstbeherrschung der zur eigenständigen Naturgewalt gewordenen Kräfte des Menschen im Anthropozän haben wir als Aufgabe noch nicht gemeistert. Dennoch bin ich im Grundsatz optimistisch, dass wir diese historische Aufgabe bewältigen können – wenn wir uns und unsere kollektiven Fähigkeiten nicht kleiner reden, als ein modischer Kulturpessimismus das gerne so hätte. Und dann treten wir zumindest in Bezug auf diesen Planeten vielleicht doch noch in einen »nachhaltigen« Gleichgewichtszustand ein, den man dann zu Recht als »Posthistoire« wird bezeichnen können.

Unterschiede zu den heutigen »Haltungslinken«

Damit kommt nun unweigerlich die Frage auf, wie ich zu dem stehe, was im Verlauf der letzten Jahrzehnte aus den politischen Kräften links der Mitte, also der »Linken« im weiteren Sinne, politisch verkörpert durch SPD, Grüne und Linkspartei, geworden ist. Im Bereich der Sozialwissenschaften gewinnen seit den 1980er Jahren (teils durch direkte Rezeption der entsprechenden französischen Philosophen, teils durch einen theoretischen Re-Import auf dem Umweg über die USA) poststrukturalistische Theoriemoden an Boden, die je länger, je mehr die Eigenschaft haben, sich von empirischer Sozialforschung abzukoppeln. Damit wird an Theorietraditionen angeschlossen, die nicht mehr auf Hegel und Marx, sondern paradoxerweise auf Nietzsche und Heidegger zurückgehen.

Aufklärungs- und Vernunftskepsis wandern von der politischen Rechten zur politischen Linken, und empirische Sozialforschung wird zusehends durch politische Theologien ersetzt. »Zivilisation« ist nur mehr ein »Patriarchat alter weißer Männer«. Letztlich wird dadurch die Denkfigur einer dialektischen Weiterentwicklung der westlichen Geschichte durch die Denkfigur einer simplen Selbstaufhebung ersetzt, die sich politisch mittlerweile in mehreren Dimensionen als Selbstzerstörung erweist. Von den Kantschen Maximen der Aufklärung bleibt nur noch eine potemkinsche Fassade stehen. Endgültig seit »Corona« wird die politische Linke zu einer Kraft des intellektuellen Obskurantismus und der Gegenaufklärung, während sich ein kritischer Blick auf die gesellschaftlichen Verhältnisse heute vor allem bei den »Liberalkonservativen« erhalten hat und eine konsequente Maßnahmenkritik von den im Parlament vertretenen Parteien praktisch nur noch von Alice Weidel formuliert wird.

Die heutige Linke ist manifest schizophren: an ihrem linksradikalen, sich auch als antifaschistisch verstehenden Ende pflegt sie einen phrasenhaften Antikapitalismus, dem keine analytischen Leistungen mehr zugrunde liegen, und zugleich trainiert sie einen autoritätsgläubigen Staatsfetischismus, der nahezu jegliche Kritikfähigkeit verloren hat. Wir erleben heute einen »Antifaschismus«, der den Faschismus hinter jedem Busch und unter jedem Stein sucht, ihn aber nicht erkennt, wenn er ihm ins Gesicht springt. So ist die Fähigkeit, mit abweichenden politischen Ansichten umzugehen, den politischen Strömungen links der Mitte nunmehr vollends abhandengekommen. »Wehrhaft ist eine Demokratie, wenn sie in den Köpfen der Menschen lebendig ist, und nicht schon dann, wenn der Staat für Ordnung sorgt.« (Dieter Thomä) Demokratie ist keine Gesinnung, sondern ein Verfahren, mit Konflikten umzugehen, die daraus entstehen, dass andere Menschen andere Ansichten haben als man selbst. Wer »Demokratie« zu einer Haltungsfrage umdefiniert, zerstört ihren Gehalt.

Die heutige Haltungs- und Gesinnungslinke verwirkt jegliche Glaubwürdigkeit, von der Demokratiebewegung eine »Abgrenzung von rechts« einzufordern, wenn sie dem in Entstehung begriffenen Totalitarismus, den sie nominell kritisiert, faktisch selbst zuarbeitet.

12 Kommentare

  1. elmardiederichs

    Ich vermisse den like-Button, den ich ebenfalls für eine Art der Öffentlichkeitsarbeit halte.

    • Ingbert Jüdt

      Danke für den Hinweis! Ist in meiner WP-Version gar nicht eingebaut, ich muss erst mal nach einem Plugin suchen.

  2. elmardiederichs

    “Ein konkretes Beispiel dafür ist, dass ich mich außerstande sehe, mich dem empathischen Verständnis der politischen Rechten von der Nation als Volksgemeinschaft anzuschließen. Für mich ist die Nation nichts weiter als ein bloßes Durchgangsstadium politischer Organisationsformen, das zeitweise von einer gewissen Nützlichkeit, aber genau darin völlig pragmatisch zu bewerten ist.”

    Ach … weiß ich gar nicht: Ich habe durchaus Verständnis dafür, daß es eine historisch gewachsene kulturelle Identität gibt, dazu eine Sprache, deren Eigenschaften die intellektuelle Entwicklung ganzer Population steuert und z.B. einen Grad des gesellschaftsweiten Atheismus, einen der Aufklärung und so weiter.

    Gut – das reicht vielleicht nicht aus, um alle Staaten voneinander als Nationen zu trennen, aber deshalb ist das Konzept der Nation nicht nutzlos oder ausschließlich pragmatisch. Insbesondere dann nicht, wenn die Kulturen sich historisch als verschiedene leistungsfähig erwiesen haben. So ist in meinen Augen die arabische Kultur unter der Last des Islam weitgehend zusammengebrochen.

    Und irgendwie sehe ich auch nicht ein, warum so ein Standpunkt politisch rechts sein soll.

    Zu Hegel sage ich jetzt mal nichts, sonst glaubt joer noch einer, ich hätte auch nur eine Zeile davon gelesen. Und das möchte ich mit als eingefleischter Analytiker dann doch nicht nachsagen lassen. 😉

  3. elmardiederichs

    Ich vermute, daß ich mich hier für meine Naivität entschuldigen muß:

    “Angesichts der sich aktuell zuspitzenden Krise des Finanzkapitalismus erweist ein solcher analytischer Ansatz als weiterhin unverzichtbar.”

    Leider bin ich noch nicht dazukommen, was von ihm zu lesen. Aber was spricht gegen eine völlig unpolitische Analyse der Wirtschaft als dynamisches System? Ich bin ziemlich sicher, daß ein solche Wirtschaftssystem komplex genug ist, sich der Kontrolle der Reichen weitgehend zu entziehen.

    Die Frage scheint mir zu sein, ob die Existenz von sozialen Klassen mit unterschiedlichem Wohlstand nicht auf die Eingriffe des Staates zurück zu führen sind.

    Und last not least: Was hat eine solche Position der Analyse mit einer politischen Position zu tun?

  4. elmardiederichs

    ” Im Bereich der Sozialwissenschaften gewinnen seit den 1980er Jahren (teils durch direkte Rezeption der entsprechenden französischen Philosophen, teils durch einen theoretischen Re-Import auf dem Umweg über die USA) poststrukturalistische Theoriemoden an Boden, die je länger, je mehr die Eigenschaft haben, sich von empirischer Sozialforschung abzukoppeln.”

    Korrekt. Ich habe das anderswo schon mal erklärt – Entschuldigung, wenn ich es hier wiederhole:

    In meinen Augen gibt es eine mit dem Buchdruch einsetzende, kulturelle Tradition, die Ideen der Philosophen in Romanen in alltagsweltliche Zusammenhänge überträgt, ausprobiert, durchspielt und allgemein verständlich macht. Das hat gut funktioniert bis zum Einsetzen der analytischen Philosophie mit dem Beginn des 20Jhr.. Zu diesem Zeitpunkt sind die produktivsten und meiner Einschätzung nach auch klügsten Philosophen in ein Gebiet abgewandert, welches für normale Schriftsteller ohne eigenen Studium nicht mehr erschlossen werden konnte. Und das neue Fachvokabular hat ein Übriges dazu getan.

    Was blieb, sind die Philosophen, die noch in der Alltagssprache schrieben: Nietzsche und Heidegger, aber auch die französischen Denker, die daraufhin als einzige Quelle der Inspiration für Soziologen und Politologen zur Verfügung standen. Die Analytiker nehmen den Poststrukturalismus als philosophische Strömung nach wie vor nicht ernst, sehen aber seine politischen Folgen mit Sorge.

  5. elmardiederichs

    Ich würde in ein Verständnis der Haltungslinken keinerlei Mühe investieren: diese Leute sind auf die eine oder andere Weise – gekauft und zeichnen sich vor allem dadurch aus, daß sie die Kooperation mit all denjenigen verweigern, die nicht ihre moralischen Vorstellungen teilen – was auf jeden Fall nach hinten losgehen muß, denn ethische Diskussion sind ihrer Natur nach so gut wie nicht konsensfähig.

    Was übrigens keineswegs nachteilig ist – ich müßte mal einen post darüber machen.

    Auch die Leute im Widerstand sind mehrheitlich so aufgestellt – versuchen aber oft das zu verbergen. Mit solchen Leute zu reden, lohnt nicht mal den Einsatz einer Sekunde. Die kann man sofort und endgültig abschreiben.

    Erinnere dich daran – du warst mal dabei.

    • pingpong

      In Friedenszeiten ist Kultur ein Diffusionsprozess: Angleichung und Homogenisierung.

      In Krisenzeiten ist Kultur ein musterbildender Prozess: Reorganisation und Differenzierung.

      • elmardiederichs

        @pingpong

        Hm …. könnte sein. Was spricht dafür und was dagegen?

        • pingpong

          Schau dir nur das Trara um Grenzen an.

          Rechts: Grenzen zu! Außer wenn ich übers Wochenende nach Sydney in die Oper will. Da ist globale Hypermobilität ein Muss. Und für freien Warenverkehr. Und für Informationen. Und für den Markt überhaupt, keine Grenzen. Aber die Ausländer, Grenzen zu!

          Links: Grenzen töten! Flüchtlinge und andere Mensch haben ein angeborenes Recht zu gehen wohin sie wollen. Und Studenten sowieso, nichts soll die Jugend aufhalten. Globale Hypermobilität für jeden und alles, zum Wohle der Menschheit. Aber der Virus, der muss draußen bleiben, Grenzen zu! Und außerdem, der Klimawandel! Wo soll das noch hinführen mit der vielen Fliegerei?

          Die merken nicht einmal dass sie in den wesentlichen Dingen völlig übereinstimmen und beide die Ideologie von der Globalisierung und der Welt ohne Grenzen geschluckt haben. Der Rest ist nur noch inhaltsleeres Schattenboxen, zwei Seiten derselben Idiotie und Unterschiede nur im Detail die man mit der Lupe suchen muss, die aber zu gravierenden Gegensätzen aufgeblasen werden.
          Höchste Zeit, dieses Kasperltheater zu beenden.

          Die Pandemie könnte hierfür ein Katalysator sein, so grausam das klingt.

          Eine nützliche Heuristik, die wir uns wieder ins Gedächtnis rufen sollten: Good fences make good neighbors.

  6. quell werk

    Wie kann man als Impfkritiker noch links sein? Diese Frage drängt auf Antwort, wenn die meisten, die sich links einordnen, Impfen befürworten und man nicht als rechter, impfkritischer Einfaltspinsel dastehen will.
    Um sich vom linken politischen Establishment abzusetzen, verwendest du Konzepte wie
    a. Fortschrittsglauben
    b. Vernunft
    c. Gesellschaftswandel
    d. Abkehr vom Begriff der Nation
    e. Kritische Theorie der Gesellschaft
    f. Politische Ökonomie
    g. Selbstverständlicher Traditionen sind der Aufklärung unterzuordnen
    h. Lösen einer historischen Aufgabe zum Zweck des Endzieles: Posthistorie
    i. Abgrenzung von Heidegger und Nietsche

    Wenn ich das richtig sehe, unterscheidest du dich vom Establishment durch die Konzepte b. , f. und i.
    Der Punkt i. meint die Abkehr von Vernunft (Punkt b.) und die Hinwendung zu Begierde und Macht und war die notwendige Antwort auf eine Gesellschaft, die ihre Mitglieder bis in die intimsten Bereiche reguliert. Die Frage der Macht ist für die Foucaultsche Strömung bedeutsam gewesen. Es ging um die Selbstbefreiung, Autonomie, etc. Dazu gehört notwendig der Machtbegriff. Die Schicht, die nach Autonomie strebte, war nicht die Arbeiterschaft. Es war eine völlig neue soziologische Konfiguration. Dass jetzt die Linke die Macht, nachdem sie den Machtbegriff so gründlich mit Hilfe von Heidegger und Nietsche ausgelotet hat, zum eigenen Nutzen anwendet, war unvermeidlich. Es ist naiv, diese Entwicklung im Nachhinein zu bedauern und es ist kurzsichtig, zu glauben, es gäbe ein nostalgisches Zurück.
    Es scheint mir daher, dass lediglich die Politische Ökonomie ein immer noch gültiges valides, nostalgisches Distinktionsmerkmal für authentische Linke darstellen könnte.

    • quell werk

      Ich vergaß: guter Beitrag!

  7. Jochen Schmidt

    Interessante Beiträge gegen die Neue Linke finden sich unter:

    https://antileftistmarx.substack.com/archive?sort=new

    Siehe z. B.

    https://antileftistmarx.substack.com/p/marxism-is-antileftism-1

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