Sozialwissenschaftliche Vernunft

Machtpolitik als narzisstische Kränkung

Der Tsunami an moralischer Schnappatmung, mit dem die westliche Öffentlichkeit auf den russischen Angriff auf die Ukraine reagiert, ist ein Anzeichen dafür, dass unsere Gesellschaft im Begriff ist, an ihrer eigenen Heuchelei zu ersticken. Würde man sich auf nüchterne Analysen einlassen, müsste auf den Tisch kommen, durch wieviel Gleichgültigkeit, Rücksichtslosigkeit, Großmäuligkeit und eigenes machtpolitisches Taktieren in den vergangenen Jahren »der Westen« für das Zustandekommen der heutigen Situation mitverantwortlich ist. Denn in der Ukraine ist Krieg nicht erst seit dem 24. Februar. Da wir das aber nicht sehen wollen, verfallen wir kollektiv in die Raserei des narzisstisch Gekränkten, der den drohenden Kollaps seines Größenselbst nur durch radikale, maximale Abwertung des Gegenüber abzuwehren vermag.

Die westliche Öffentlichkeit überschlägt sich in ihren Bemühungen, den russischen Staatspräsidenten als pathologischen Fall und Ausgeburt des Bösen zu dehumanisieren. Die österreichische »profil« trägt in einem ausführlichen Artikel Werturteile über Putins »Hybris«, seine »Verhaltensauffälligkeit«, »Wahnvorstellungen« und »Verrücktheit« zusammen. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland spekuliert auf »Cäsarenwahn«. Selbsternannte Ferndiagnosten sind überzeugt, Putin sei durch »Long Covid« in den Wahnsinn getrieben worden. Der bekannte Pausenclown in der Slapstick-Rolle des Bundesgesundheitsministers macht jetzt auch einen auf Psychiater: Lauterbach: Putin ist Geisteskrank – Diagnose: ›Narzissmus‹.

Der republikanische Senator Lindsey Graham empfiehlt ebenso wie der Journalist Hans-Ulrich Jörges die Ermordung Putins. Die Bundesregierung gefällt sich erneut im Überschreiten roter Linien bei Waffenlieferungen, ein ehemaliger Bundespräsident plädiert für »Frieren für die Freiheit«, und am gesinnungsstarken Handeln von Olaf Scholz und Annalena Baerbock, das jeden eigenen wirtschaftlichen Schaden durch die gegen Russland verhängten und noch zu verhängenden Sanktionen in Kauf zu nehmen bereit ist, findet sogar Henryk Broder Wohlgefallen – aber dass Broder nicht nur gelegentlich brillant, sondern auch häufig eitel ist, ist keine Neuigkeit. Die Infantilität und Hybris dieser Politik haben Jens Berger und Frank Blenz auf den »Nachdenkseiten« bereits angemessen kommentiert.

Aber auch die »Zivilgesellschaft« streift die lästige Hülle der Zivilität ab und beginnt zu schäumen wie ein Mentos in Cola: Supermärkte nehmen russische Produkte aus den Regalen, die Hemmungen vor öffentlichem Mobbing gegen Russen sind schnell gefallen, und die Absicht einer baden-württembergischen Bäckerei, den »Russischen Zupfkuchen« umzubenennen, wird sogar von Correctiv bestätigt. Über Gewalt und Hetze gegen Russen und Russischstämmige in Deutschland berichtet immerhin auch der Mainstream, unter anderem die ARD, das ZDF der SWR und die ZEIT.

Zugleich wird jede offizielle Äußerung Russlands als Propaganda bezeichnet. Die BILD hat dabei ihr altes Format wiederentdeckt: »So vergiftet Russlands Propaganda die Welt«. »Lügen-Lawrow verbreitet Desinformationen«. Dort ist neben Hans-Ulrich Jörges auch der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk als als Scharfmacher willkommen. Wer sich auf Argumente der Gegenseite einlässt, wird beim WDR zu »Putins nützlichen Idioten« deklariert. Wenn von »Sperrungen und staatlicher Propaganda« die Rede ist, dann meint Deutschlandfunk Kultur damit nicht die Löschorgien gegen Maßnahmenkritiker bei Facebook und Youtube und den »Corona-Infokanal des Bundesministeriums für Gesundheit« bei Telegram, sondern die Sperrung von Facebook und Twitter in Russland. Eine Augenzeugin der Verhältnisse im Donbass, die französische Journalistin Anne-Laure Bonnel, wird in der FAZ als »Paradezeugin von Putins Propaganda« dargestellt.

Im Jahre 2014 konnte ARD Monitor noch andere Töne anschlagen und von der NATO als Kriegstreiber in der Ukraine sprechen, und auch 2017 konnte Georg Restle noch ein »Feindbild Russland« diagnostizieren. Solche kritischen Spuren sind heute aus dem historischen Gedächtnis der Medien und der Öffentlichkeit ausgelöscht. Man habe sich bezüglich Russland »getäuscht« und bekannte Namen wie Sarah Wagenknecht, ihre Parteigenossin Katja Kipping, Klaus von Dohnanyi und Gabriele Krone-Schmalz bekennen, sich »in Putin geirrt« zu haben. Schlachtkonzernchef Clemens Tönnies, freilich kein Intellektueller, greift in seiner Abschwörformel obendrein zur Vokabel vom russischen »Vernichtungskrieg«.

Welche Diagnose stellen wir dieser Situation aus? Folgen wir der Haupttendenz der westlichen Propaganda, dann sind wir in den vergangenen Jahren der in Putin personifizierten Russischen Föderation gegenüber nicht zu hart, sondern zu weich gewesen – ein naiver, gutmütiger Westen, der sich von Russenkitsch und schlechtem Gewissen hat einwickeln lassen. Die andere Lesart wäre, dass der Westen in den letzten zwanzig Jahren aufgehört hat, sich für politische und geostrategische Realitäten zu interessieren und sich stattdessen in erster Linie an der eigenen Ideologie besoffen hat. Sechs Tage vor Beginn des russischen Einmarsches hat Joachim Weber im Focus einen zweiteiligen, ebenso realistischen wie besonnenen Artikel verfasst, in dem er dafür plädiert, das vor allem Europa sich auf eine eigene Politik sowohl der Stärke als auch des Dialogs besinnen müsse, nachdem es jahrzehntelang nur schlafgewandelt sei:

»Mehr noch als die Amerikaner sollten sich die Europäer einmal mehr fragen, warum sie sich immer wieder in einer Situation vorfinden, in welcher 450 Millionen EU-Bürger (über 500 Millionen mit dem Nato-Partner Großbritannien) von 330 Millionen US-Amerikanern gegen 145 Millionen Russen verteidigt werden müssen. Man hat den Wandel der Welt über Jahrzehnte verschlafen und hat nun schlichtweg keine Trümpfe mehr im Blatt. (…) Putins Hebel ist viel länger, als es die Politik in den westlichen Hauptstädten zugeben kann und auch will, müsste man doch das eigene jahrzehntelange Schlafwandeln einräumen. Daher kann es gegenwärtig nur noch um eines gehen, und das ist, das Schlimmste zu verhindern. (…) Dazu gehört nicht zuletzt, sich im Westen selbst nicht länger in die Tasche zu lügen, dass man mit der puren Rhetorik von Menschenrechten und Selbstbestimmung noch irgendetwas erreichen könne. Niemand in der Welt glaubt das mehr.«

Joachim Weber am 18.02.2022 im Focus

Was der Spezialist für sicherheitspolitische Fragestellungen hier zwar kritisch, aber noch annehmbar formuliert, lässt sich auch schärfer pointieren. Ich will hier gar nicht näher auf die unmittelbare Mitverantwortung des Westens an der Zuspitzung der Ukraine-Krise seit 2014 eingehen, die die oben verlinkten Monitor-Sendungen dargelegt haben und die sich viel ausführlicher auf Thomas Röpers »Anti-Spiegel« und in seinem Buch über den Ukraine-Konflikt nachlesen lassen. Denn die Krise und der Selbstbetrug des Westens gehen viel tiefer. Der unglaubwürdig gewordenen Rhetorik von Menschenrechten und Selbstbestimmung müssen die ganz realen, wachsenden Dysfunktionen der globalen Ökonomie diagnostisch an die Seite gestellt werden, die seit der Finanzkrise von 2008 unübersehbar geworden sind. Deren neuerliche Verschärfung im Herbst 2019 musste durch weitere Notstandsmaßnahmen provisorisch aufgefangen werden, die sich allein durch den zeitlich exakt passend auftretenden Ausnahmezustand der Corona-Maßnahmen noch unter den Teppich kehren ließen. Und auch dieser Aspekt muss noch ergänzt werden um den Verweis auf eine immer neurotischer werdende Kultur, die sich in den letzten Jahren in eine hypermoralische Weltsicht bar jeglichen Realitätsbezugs hineingesteigert hat, in der ein Aberglaube an die Magie der guten, korrekten Gesinnung jedes sachgerechte Abwägen von Tatsachen abgelöst hat. Unsere Kultur hat sich an die Exorzismen der moralischen Denunziation gewöhnt, bei der ein mediales Fingerschnippen ausreicht, um Menschen, die von den öffentlich dominanten Narrativen abweichen oder ihnen offen widersprechen, ohne Würdigung der Argumente der öffentlichen Verdammnis preiszugeben. Vorläufiger Höhepunkt dieser Autodafés der Selbstgerechtigkeit war die Corona-Krise, in der die Berufung auf »die Wissenschaft« im Munde geführt und zugleich die reale Wissenschaft auf dem Altar zivilreligiöser Glaubensbekenntnisse und Tugendrituale geopfert wurde.

белый и пушистый – weiß und flauschig

Und nun wird diese so hypertrophe wie illusionäre Selbstgerechtigkeit mit einem Spiegelbild konfrontiert, das das Gegenteil von dem zeigt, was man sich selbst eingeredet hat. Worum es bei diesem Spiegelbild geht, lässt sich anhand von Wladimir Putins jährlicher Pressekonferenz vom Dezember 2020 illustrieren. Es geht um die Frage: »Wer ist weiß und flauschig, und wer ist stachelig und aggressiv?« Das ist eine russische Redewendung, die mehr oder weniger »harmlos und friedlich« bedeutet, und die Steve Rosenberg von der BBC bei seiner Frage an Putin auf dieser Pressekonferenz verwendet hat: ob Russland an dem neuen Kalten Krieg mitverantwortlich sei, oder ob die russischen Behörden »weiß und flauschig« seien. Putin antwortet ausführlich, greift die Formulierung mehrfach selbst auf, und beantwortet am Ende Rosenbergs Frage zugunsten der Russischen Föderation. (Da Youtube den betreffenden Videoclip sperrt, muss ich leider auf die offizielle Seite des Kreml verweisen – suchen Sie dort nach белый и пушистый und übersetzen Sie mit Deepl.) »Weiß und flauschig« zu sein ist die Selbstwahrnehmung des Westens. Und natürlich ist das gegenteilige Urteil des russischen Staatspräsidenten auf einer Pressekonferenz nicht ausreichend, um den Panzer der westlichen Leugnung zu durchbrechen.

Was aber geeignet ist, diesen Panzer zu durchbrechen, ist der Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine. Putin ist der Aggressor in diesem Krieg – aus dem simplen Grund, weil er diese Aggression befohlen hat. Er lädt sich auch die Verantwortung für die Folgen dieser Aggression auf. Es ist allerdings auch anzumerken: wenn es heißt, »Putin versteht nur Taten!«, dann ist das insofern richtig, als er sich die Taten des Westens in den vergangenen Jahrzehnten sehr genau angeschaut hat. Er handelt so, wie er handelt, weil er den Westen nach seinen Taten beurteilt und nicht nach seinen Worten, und die tiefe Kränkung, die er uns, dem Westen, zufügt, ist darin begründet, dass wir an unsere eigenen schönen Worte geglaubt und zugleich unsere Taten verdrängt haben. Jetzt hält uns Russland einen Spiegel vor, und in diesem Spiegel sehen wir einen bedrohlichen, rücksichtslosen, imperialistischen, übergriffigen, heuchlerischen Westen, von dessen Anblick unser Selbstbild schallend geohrfeigt wird. Wir haben uns für flauschig gehalten, aber in unserem Spiegelbild sehen wir uns als stachelig. Was wir objektiv sind, und was Russland objektiv ist, steht an dieser Stelle gar nicht zur Debatte, denn um sich darüber Klarheit zu verschaffen, dazu müsste man sich allererst ehrlich machen. Das ist bis auf weiteres nicht zu erwarten.

Wir, der Westen, haben unsere hohen moralischen Ansprüche dafür benutzt, um unsere eigenen Interessen weltweit durchzusetzen, denn die Interessen der Guten, die wir nach dem Sieg im Kalten Krieg historisch verbrieft zu sein glaubten, haben wir für gute Interessen gehalten. Da die Guten per definitionem nichts grundsätzlich falsch machen können, haben wir den kritischen Blick auf uns selbst verlernt. Und nun stellt sich heraus, dass es nichts weiter als der machtbewehrten Gleichgültigkeit gegenüber unseren moralischen Ansprüchen bedarf, um die Magie der verbalen Exkommunikation der Bösen, deren Macht wir uns eingeredet haben, zu zerstören. Putins nunmehr nackte Machtpolitik stellt eine tiefe narzisstische Kränkung unserer politischen Kultur dar, die ihre eigene globale Machtpolitik stets mit dem Anspruch auf eine höhere Moral bemäntelt hat: stets wurde am Anfang mit zu stürzenden Diktatoren, zu jagenden Terroristen, zu befreienden Bevölkerungen argumentiert, wenn man am Ende failed states hinterlassen hat. Und stets hat man die beanspruchte höhere Moralität nicht so sehr dazu verwendet, um eigene Rücksichtslosigkeit und Brutalität explizit zu rechtfertigen, sondern um sich selbst einen Grund zu liefern, lieber gar nicht erst genauer hinzuschauen. Es ist diese unterbewusste Masse des kollektiv Verdrängten, dessen drohende Wiederkehr unsere aktuelle psychotische Krise auslöst.

Unverhüllt ausgeübte Macht legt eher beiläufig das Betriebsgeheimnis der Gesinnungsmoral offen: dass nämlich Moral, die sich der offenen Debatte nicht mehr aussetzt und darum nicht mehr den Effekt nutzen kann, den anderen durch das erkennbare Bemühen um eine für beide Seiten verständliche Perspektive in das bessere Argument einzuholen, sich letztlich selbst auf erworbene Machtpositionen stützen muss, die innezuhaben sie aber so weit wie möglich verleugnet. Unverhüllt ausgeübte Macht, auf die man zu reagieren gezwungen ist, durchbricht den Anschein des diskursiven Vernunftgebrauchs, mit dem die Gesinnungsethik nur blufft. Sie legt offen, dass die moralische Anklage ein bloßer Gestus ist, die den Willen zur Verständigung längst als überflüssig und als dem eigenen Überlegenheitsanspruch unwürdig ausgeschieden hat. Die reale Macht hinter der westlichen Moral ist eine Macht der medialen Apparate und der von ihnen durchgesetzten Narrative. Sie ist das technische Betriebsgeheimnis unseres Selbstbetrugs, das erklärt, warum wir nicht nur »Corona-Leugner« aus dem legitimen Diskurs und den sozialen Medien zu verdrängen suchen, sondern jetzt auch den Tatbestand des Feindsenders wieder eingeführt haben: wir schämen uns nicht mal mehr unserer Zerstörung unserer demokratischen Öffentlichkeit, da wir dieses Verhalten ohnehin aus unserem Bewusstsein abspalten und auf den Feind projizieren. Sich einseitig zu informieren, ist endgültig zur staatsbürgerlichen Tugend geworden.

Die zu beobachtende, eingangs illustrierte Psychopathologisierung des Gegners bringt zum Ausdruck, dass einem Angriff auf die eigenen moralischen Urteile erst gar nicht mehr auf der Ebene des ethischen Diskurses begegnet werden soll, weil man die eigenen Maßstäbe bereits als absolut gesetzt hat. Man vertraut nicht mehr darauf, den eigenen Standpunkt im Diskurs als den besseren zu erweisen, sondern betrachtet die eigene Überlegenheit als Besitz, geoffenbart nicht mehr durch Gott, sondern durch die Geschichte und den Weltgeist. Der Weltgeist hat den Westen – so glaubt es unser kulturelles Unbewusstes – 1989 aus dem Weihwasserbecken der höheren Moral getauft, und seitdem betrachten wir alle begangenen und noch zu begehenden Sünden und politischen Verbrechen als bereits von uns abgewaschen. Dass die auf diese Weise decouvrierte angemaßte Moral nun ihrerseits auf Macht zurückzugreifen ankündigt, indem sie den Willen zur Aufrüstung deklariert, ist dabei nicht als Rückkehr zur Verantwortungsethik im Sinne der oben verlinkten Argumentation Joachim Webers zu verstehen, sondern als terminale Substitution der Debatte durch den Kreuzzug.

Die Diagnose, die sich aus alledem ergibt, ist so grundstürzend wie simpel: dreißig Jahre nach dem Untergang des »Ostblocks« ist nun auch der »freie Westen« am Ende: ökonomisch, politisch, moralisch und kulturell.

(Edit: Ergänzungen durch Unterstreichung gekennzeichnet)

33 Kommentare

  1. Traebert

    So sehe ich es auch und 1000ende mit.

  2. Jochen Schmidt

    Vielleicht habe ich da ein Bildungslücke – aber was ist “Verantwortungsethik im Sinne Joachim Webers”? Ist vielleicht Max Weber gemeint? Oder hieß der große Max vollständig Joachim Max Weber? Oder liegt im Text vielleicht ein Fehler auf Grund von “Autokorrektur” vor?

    Ist nur eine Verständnis-Frage von mir.

    • Ingbert Jüdt

      Ok, das habe ich missverständlich formuliert, zumal der Bezug zu Max Weber naheliegt. Tatsächlich habe ich nur Joachim Webers konkrete Argumentation in dem verlinkten Focus-Artikel als verantwortungsethisch bewerten wollen, weil er darauf besteht, dass eine verantwortliche Realpolitik den Standpunkt der Gegenseite zumindest zu verstehen versucht und in die eigenen Entscheidungen einbezieht. Um den allgemeinen Begriff der Verantwortungsethik, wie ihn Max Weber verwendet hat, ging es mir gar nicht.

  3. crumar

    Sehr schöner Beitrag!
    Ich möchte noch ein wenig eigene “politischer Psychologie” beitragen: Mit dem Eingriff in Syrien 2015 gelang es der russischen Armee, einen “regime change” zu verhindern, nachdem man sich 2011 in Libyen hat über den Tisch ziehen lassen.
    Narzisstische Kränkung der USA inklusive, die nun gezwungen war, sich mit Russland abzustimmen, denn offiziell (!) ging man gemeinsam gegen ISIS vor.
    Ende August 2021 sind die USA (und die BRD) schmachvoll aus Afghanistan abgezogen – man kann sagen, damit endete symbolisch der “war on terror”, aber nicht die der “humanitären Interventionen”.
    Weitere narzisstische Kränkung inklusive.
    Von daher kommt die Ukraine-Krise passend, diese psychischen Verletzungen zu heilen und weiterhin den permanenten Ausnahmezustand aufrecht zu erhalten.

    • Ingbert Jüdt

      @crumar:

      Vielen Dank! 🙂 Gerade in Syrien kommt ja noch der Aspekt dazu, dass das Assad-Regime sich nicht bloß aufgrund der russischen Unterstützung im Amt hält, sondern auch, weil ein Teil der Bevölkerung weiterhin fest zu ihm steht, nämlich die alawitische Minderheit, die sich davor fürchtet, andernfalls von den Sunniten massakriert zu werden. Dieser Aspekt wird in den Westmedien ebenso gern unterschlagen, wenn von Assads Brutalität die Rede ist (die muss man ja deswegen auch nicht gutheißen). Auch das berüchtigte Massaker von Hama 1982 steht schon in diesem Kontext.

      Das letzte erfolgreiche Nation Building der Amis dürfte Westdeutschland 1949 gewesen sein, und auch das bloß deswegen, weil Deutschland schon eine eigene demokratische Tradition hatte, an die man anschließen konnte.

      • crumar

        Nur am Rande!
        In der bellizistischen Kampfpresse heute skandalisiert: “ein offenes Eurasien von Lissabon bis Wladiwostok” hätte Medwedew gefordert. Ich habe diesen Passus spaßeshalber bei Google eingegeben. Man findet natürlich jeden Quatsch in den Nachrichten: “Medwedew droht: Nach Zusammenbruch der Ukraine Weg frei für „offenes Eurasien von Lissabon bis Wladiwostok“, “Medwedew träumt”, “Medwedew sagte, Putins Ziel sei es”, etc. pp.

        Tatsächlich handelt es sich um eine Veröffentlichung auf Telegram von ihm und hier ist der Link: https://t.me/medvedev_telegram/34

        Ich habe die letzte Passage durch DeepL gejagt und das steht demnach in dieser Passage: “Der russische Präsident Wladimir Putin hat das Ziel der Entmilitarisierung und Entnazifizierung der Ukraine fest im Blick. Diese komplexen Aufgaben werden nicht über Nacht erledigt. Und sie werden nicht nur auf dem Schlachtfeld gelöst werden. Das blutige und von falschen Mythen geprägte Bewusstsein eines Teils der heutigen Ukrainer zu verändern, ist das wichtigste Ziel. Das Ziel ist der Frieden künftiger Generationen von Ukrainern selbst und die Möglichkeit, endlich ein offenes Eurasien – von Lissabon bis Wladiwostok – aufzubauen.”

        Dies “offenes Eurasien – von Lissabon bis Wladiwostok” sieht im Kontext völlig anders aus, ist auch nicht von Medwedew erfunden worden. Es befindet sich bspw. als Titel in einer Studie der Bertelsmann-Stiftung von 2017: “Freihandel von Lissabon bis Wladiwostok” https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/freihandel-von-lissabon-bis-wladiwostok
        Es gibt selbst eine “Initiative Lissabon-Wladiwostok” der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) und die titelte noch vor einem Jahr “EAWU Insights: Freihandel zwischen Lissabon und Wladiwostok”. https://shop.owc.de/2021/04/22/eawu-insights-freihandel-zwischen-lissabon-und-wladiwostok/

        Man muss der Kampfpresse lassen, die Falschinformation ist außerordentlich phantasiereich. Man will suggerieren, der Buhmann, bzw. ganz Russland träumt selbstredend von der Ausweitung des Krieges. Ganz schlimmer russischer Imperialismus, dieser Freihandel! Der sich deutlich von unserer guten Globalisierung unterscheidet. 😉

    • Jochen Schmidt

      “Ende August 2021 sind die USA (und die BRD) schmachvoll aus Afghanistan abgezogen – man kann sagen, damit endete symbolisch der “war on terror”, aber nicht die der “humanitären Interventionen”.
      Weitere narzisstische Kränkung inklusive.”

      Das verstehe ich jetzt nicht so ganz. Soweit ich weiß, haben die USA seit Frühjahr 2021 den Ukraine-Krieg Russlands vorbereitet. Der Abzug der USA aus Afghanistan ist rein strategisch zu bewerten: Man musste rechtzeitig dort raus, damit Russland heute den USA nicht vorwerfen kann (konnte): Ihr habt doch selbst ein fremdes Land seit Jahrzehnten okkupiert – mit welchem Recht beschwert Ihr Euch, wenn wir die Ukraine besetzen? Die USA würden heute international weit schwächer dastehen, wenn sie immer noch in Afghanistan “engagiert” wären, oder dort vielleicht erst im Januar 2022 abgezogen wären.

      Darum finde ich diese Bewertung “schmachvoll” eigentlich nicht so treffend – kann aber sein, dass die Uber-Fahrer in den USA diesen Abzug tatsächlich als schmachvoll empfunden haben. De facto haben die USA einfach neue außenpolitische Prioritäten gesetzt. Von narzisstischer Kränkung kann ich nicht so viel erkennen – aber vielleicht hätten die USA für ihren Abzug bessere PR machen sollen.

      Hier eine interessante Analyse:

      “It is now clear that today’s escalation of the New Cold War was planned over a year ago, with serious strategy associated with America’s plan to block Nord Stream 2 as part of its aim of blocking Western Europe (“NATO”) from seeking prosperity by mutual trade and investment with China and Russia.”

      https://www.unz.com/mhudson/the-dollar-devours-the-euro/

  4. elmardiederichs

    Mein Vorschlag ist, die Sache eher aus der geopolitischen Perspektive zu betrachten: Nach dem Scheitern des Corona-Narrativs wurde etwas Neues gebraucht, was in der Lage wäre, die Folge des Zusammenbruchs des Finanzsystems zu verschleiern: Putin, der angeblich unsere Energie teuer macht und infolge dessen alle Preise hochtreibt, kam da gerade recht.

    1. Doch der Preisanstieg wurd nur künstlich durch die lockdowns hinausgezögert, die den Kredithunger der Wirtschaft im Zaum hielten. Nun läuft man die Preise laufen, die Inflation wird steigen, die Banken werden Probleme bekommen und werden von der EZB mit solchen Summen gerettet werden müssen, daß man das Volksvermögen in Regreß wird nehmen müssen. Die Verarmung der Menschen, die steigende Inflation und der eintretende Mangel werden die Menschen dazu zwingen, das digitale Zentralbankgeld annehmen zu müssen. Doch das ist nicht alles.

    2. Deutschland sieht in Russland wieder den slawischen Untermenschen, mit aus moralischer Sicht keine Kooperation möglich ist. Die Sanktionen richten aber eher Deutschland und einige andere Länder zugrunde, als die Russland. Folge: Die Achse Deutschland-Russland fällt als Bedrohung aus und das Spiel um die Hegemonie zwischen China und USA kann neu gestartet werden – falls es gelingt, die Russen nachhaltig zu schwächen.

    3. Zu diesem Spiel gehört auch, daß ein Europa auf dem wirtschaftlichen Stand von 1945 ein ausgezeichneter Absatzmarkt für die USA wäre, auf dem die bösen Russen nicht mehr willkommen wären. Die USA könnten ihre Produktion wieder aufbauen und würde in einem Wirtschaftskrieg mit China deutlich bessere Chancen haben. Daher wird die Nato eine lokal begrenzte Ausweitung des Krieges vorantreiben und je härter das Europa trifft, desto besser wird es sein. Auch die Überproduktionskapazitäten würden auf diese Weise verschwinden.

    4. Die Great Reset-Agenda läßt sich im Schatten von Krieg und Wirtschaftskollaps geräuschlos vorantreiben. Die Belastbarkeit der Menschen ist endlich. Sollte der Pandemievertrag mit der WHO durchgezogen und ausgeführt werden, wird es nur wenig Widerstand geben.

    Die Kriegsvorbereitungen laufen von der Nato-Seite schon seit Jahren. Aber was passiert, wenn infolge der jahrzehntelangen Repression durch due Werte-Werten die anderen Länder trotz diplomatischer Offensive die Zusammenarbeit verweigern – was sie mit Indien, Iran, ganz Afrika, Pakistan und ganz Südamerika zu tun scheinen? Dann könnte Putin durch die Abkopplung vom Westen und dessen Selbstzerstörung das Ende der neoliberalen Globalisierung herbeiführen. Letztere war bisher darauf bedacht, jede Kultur zu zerstören und die Nationalstaaten zu überwinden, damit die Menschen nichts mehr haben, als ihre abhängige Arbeit. Doch Putin könnte ein System schaffen, in ein Staat seine Zivilisation schützt und die Wirtschaft entsprechend einschränkt. Und eventuell haben die anderen Staaten genau darauf gewartet.

    Leider ist mir im Moment nicht klar, welche Rolle China spielen wird, wenn sich der Werte-Westen selbst beerdigt hat – was leicht passieren könnte, die Zeit scheint für Putin zu spielen.

    • Jochen Schmidt

      “Mein Vorschlag ist, die Sache eher aus der geopolitischen Perspektive zu betrachten: …”

      Sehe ich auch so. Was Du im Folgenden schreibst, hat aber nicht so unbedingt mit “Geopolitik” zu tun – aufgeblähtes Finanzsystem usw. gehört nicht wirklich in die Geopolitik.

      Aber Vokabel hin oder her – ich denke auch, dass “der Westen” auf diese Weise still und heimlich das machen kann, was er schon in Zeiten von Corona gemacht hat – neu geschaffenes Geld ins Finanzsystem pumpen und die einheimische mittelständische Wirtschaft abwürgen -, und dass der Westen nun die immer deutlicher zu Tage tretenden Verwerfungen (allen voran die galoppierende Inflation, die ja schon lange vor dem russischen Angriff eingesetzt hat), dass er all diese Verwerfungen (wie z. B. auch die verschärfte Energie-Krise) nun dem bösen Russen in die Schuhe schieben kann. Es geht sogar noch besser: die Menschen im Westen werden aufgerufen, sich mit all diesen Verwerfungen zu arrangieren, weil sie damit “solidarisch” sind mit der angegriffenen Ukraine.

      Über Deine Punkte 2 und 3 müsste man vielleicht nochmal reden – aber so grundsätzlich und im Großen und Ganzen sehe ich das sehr ähnlich.

      Hier noch ein interessanter Artikel, der ähnlich argumentiert:

      http://www.danielgreenfield.org/2022/03/the-left-isnt-letting-ukraine-crisis-go.html

      Du hast doch mal in Russland gearbeitet – was sagen denn Deine alten Kollegen so dieser neuen Eskalations-Stufe?

      • elmardiederichs

        “Was Du im Folgenden schreibst, hat aber nicht so unbedingt mit “Geopolitik” zu tun – aufgeblähtes Finanzsystem usw. gehört nicht wirklich in die Geopolitik.”

        Früher hätte ich den guten alten Grundsatz “Geopolitik kommt vor Wirtschafts- und Finanzpolitik” auch unterschrieben. Doch heute sehe ich das anders. Die Akteure heute verfolgen alle unterschiedliche geopolitische Interessen. Ich schließe das daraus, daß die Digitalkonzerne eigentlich nur Anweisungen ausführt, während Bill Gates, der früher ins Spiel kam, noch eine eigene Agenda hat. Bei den Digitalkonzernen wurde das offenbar verhindert. Das macht man nur, wenn die Geopolitk inzwischen nicht nur von den Staaten bestimmt wird. Offenbar will man die Lage nicht zu kompliziert werden lassen.

        Meine russischen Freunde sind stehen ohne Wenn und Aber hinter Putin. Sie kennen die Entwicklung in den letzten 15 Jahren viel genauer als die Menschen im Westen und haben die Sicht des kalten Krieges nie wirklich aufgegeben: Russland steht mit dem Rücken zur Wand und hatte keine andere Wahl und sogar die Pflicht etwas zu tun, denn Russen mußten beschützt werden. Da gibt es gar keine Diskussion. Aber es fehlt ihnen der Hass auf die normalen Menschen in den westlichen Staaten. Es herrscht eher Mitleid für uns Idioten vor.

        “Über Deine Punkte 2 und 3 müsste man vielleicht nochmal reden”

        Nur zu – was ich zu dem Thema sage, ist unvermeidlich zu einem gewissen Teil geraten und spekulativ, da verläßliche Informationen rar sind.

        • Jochen Schmidt

          “Russland steht mit dem Rücken zur Wand und hatte keine andere Wahl …”

          Kommt mir eigentlich auch so vor: US-Manöver in der Ukraine sowie Bio-Labors der USA in der Ukraine, wo heimlich Bio-Waffen entwickelt werden, die man dann nach Russland schleusen will … und dann noch Selenskys Drohung einer atomaren Wiederaufrüstung der Ukraine.

          Und da soll Putin seelenruhig zusehen? Was würden denn die USA unternehmen, wenn Russland auf Cuba oder in Mexiko dasselbe veranstalten würde?

          Dies scheint auch die Position von Thomas Röper zu sein – so aber auch viele Artikel auf

          https://www.voltairenet.org/?lang=de
          https://www.voltairenet.org/?lang=en

      • Ingbert Jüdt

        Dazu passt ein aktueller Blogpost von (mal wieder) Fabio Vighi: auf deutsch übersetzt »Vom Krieg gegen Covid zur Eskalation des Krieges in der Ukraine« bei TKP, das Original vom 14.03.2022 hier:

        »Let us repeat the key point: an implosive socioeconomic system sustained by financial leverage of the current magnitude desperately requires a continuous stream of emergencies as well as a Bond villain to blame. In turn, the industrial production of emergencies requires credible actors on the global stage, together with an audience who is willing to be shocked by cynical media propaganda.«

        Es ist der Zeitpunkt, der m. E. dafür spricht, dass die Geopolitik hier nur Mittel zum Zweck in der ökonomischen Arena ist, um den »kontinuierlichen Strom an Notlagen« am Fließen zu halten. Die Verhältnisse in der Ukraine sind seit 2014 ein scharfer Sprengsatz, der auch früher oder später hätte losgehen können, aber nun in genau dem Moment gezündet wurde, als die Dramatik des Corona-Narrativs zu erlöschen begann. Der russische Einmarsch ist unvermeidliche (weil zuvor angesagte) Folge der vorangegangenen Provokationen, zuletzt Selenskys Drohung einer atomaren Wiederaufrüstung der Ukraine auf der Münchner Sicherheitskonferenz, die wiederum kaum ohne NATO-Ermutigung vorstellbar ist. So gesehen kann man sogar behaupten, dass der russische Einmarsch vom Westen »beschlossen« wurde.

        Die unmittelbare Folge ist, vermittelt über Sanktionen und Aufrüstungsbeschlüsse, einmal mehr »wirtschaftliche Disruption« – also präzise die Sorte Ausnahmezustand, die zur Legitimation weiterer Fiatgeld-Flutungen benötigt wird. Und im Sekundäreffekt lässt sich auch die öffentliche Meinung wieder in Alarmzustand versetzen, um die Hintergründe mit Propagandagebrüll zu vernebeln.

        • crumar

          “Die unmittelbare Folge ist, vermittelt über Sanktionen und Aufrüstungsbeschlüsse, einmal mehr »wirtschaftliche Disruption« – also präzise die Sorte Ausnahmezustand, die zur Legitimation weiterer Fiatgeld-Flutungen benötigt wird. Und im Sekundäreffekt lässt sich auch die öffentliche Meinung wieder in Alarmzustand versetzen, um die Hintergründe mit Propagandagebrüll zu vernebeln.”

          Das Spiel läuft seit 9/11 (also seit 21 Jahren) aber zwei, bzw. dreigeteilt.

          “Unabhängig” vom neoliberalen Regime funktioniert ein (US-) Kriegskeynesianismus. D.h. egal, wie hoch die absurden Ausgaben für ein Militärprojekt sind (F-35, Airbus 400m), sie werden getätigt.

          Dann hast du den Invest in “Silicon Valley”, der nur plausibel ist, wenn man sich von der Logik von zeitnahen Profiten für Unternehmen verabschiedet.
          “Disruption” wird übersetzt in globale Monopolprofite und eine Logik der Aktienmärkte, die steigen, wenn sich Verluste gegenrechnen lassen mit der Aussicht auf ersteres.
          “Google” ist ohne Dominanz des Anzeigenmarkts ein Witz.

          Du hast nächstens die Profite, die sich ergeben, wenn man “Globalisierung” auf die Herstellung der Dominanz von Kopf- zur Handarbeit herstellt.
          Ohne Dominanz des Handels über die Produktion ist das unmöglich.
          Apple weiß sehr genau, was seine Produkte kosten würden, würde das Unternehmen (automatisiert) sie selber herstellen.
          Das Problem an Automatisierung ist aber, es versaut durch die Abschreibungen die Bilanzen = Aktienkurs.

          Ohne das Diktat von Einkaufspreisen, die unbehelligt sind von kompensatorischen Zöllen, wäre die Strategie hinfällig.
          Keine Zölle und “sweatshops” sind zwei Seiten dieser Medaille (“Globalisierung”).
          Das nächste Problem an dieser Strategie ist, um so länger sie dauert, man kann keine Produktion mehr umsetzen, weil die Voraussetzungen fehlen,
          Es gibt in den USA keine amerikanischen Fabrikausrüster mehr.

          Tesla hat Grohmann Automation gekauft und Assembly & Test Europe – also deutsche Firmen – weil sie keine andere Wahl haben.
          Das ganze Vorhaben der Trennung von Hand- und Kopfarbeit und der globalen Aufteilung erinnert mich an die Ideologie von Sklavenhaltern.
          Wir waren mit “Feudalismus” vielleicht noch zu gnädig?!

          • Jochen Schmidt

            Sehr interessant! Du schreibst z. B.

            “Das Problem an Automatisierung ist aber, es versaut durch die Abschreibungen die Bilanzen = Aktienkurs.
            Ohne das Diktat von Einkaufspreisen, die unbehelligt sind von kompensatorischen Zöllen, wäre die Strategie hinfällig.”

            Könntest Du das ein wenig erklären – oder vielleicht eine Erläuterung im Internet verlinken?

          • pingpong

            Keine Zölle und “sweatshops” sind zwei Seiten dieser Medaille (“Globalisierung”).
            Das nächste Problem an dieser Strategie ist, um so länger sie dauert, man kann keine Produktion mehr umsetzen, weil die Voraussetzungen fehlen,
            Es gibt in den USA keine amerikanischen Fabrikausrüster mehr.

            Gänzlich hypothetische Überlegung zur ausbleibenden Energie aus Russland und den Folgen für unsere Industrie: wollte man uns wirtschaftlich treffen, dann würde man… Chinas Produktion stören. Denn dort steht ein Großteil “unserer” Fabriken.

            Der “Westen” ist – anders als Russland – von China abhängig. Xi Jinping weiß das.

  5. Jochen Schmidt

    Hier finden sich einige Infos zum Konflikt zwischen Russland und den USA:

    https://corona-transition.org/hinter-dem-vorhang-zusammenfassung-der-95-sitzung-des-corona-ausschusses

    Es geht los ab “Sorgloser Umgang mit dem Thema Nuklearwaffen”.

  6. Jochen Schmidt

    Offenbar spielt der aktuelle Präsident der Ukraine, Wolodymyr O. Selenskyj, eine prominente Rolle in den sogen. Pandora Papers.

    Der Journalist Küppersbusch hat hierzu einige Hintergrund-Infos zusammengetragen:

    https://youtu.be/FOFJ5R0eago?t=79

  7. Jochen Schmidt

    Hintergrund-Infos zur Ukraine-Krise lierfert dieser Geheimdienst-Fuzzie (Jacques Baud
    Former Colonel of the General Staff, former member of Swiss strategic intelligence, specialist in Eastern European countries.):

    https://cf2r.org/documentation/la-situation-militaire-en-ukraine/

    Man muss oben rechts auf der Seite “English” als Sprache auswählen, dann wechselt die Seite von Französisch zu Englisch.

    Offenbar hat es ab dem 16.02.2022 mehrere Massaker an der russisch-stämmigen Zivilbevölkerung im Donbass gegeben.

  8. Jochen Schmidt

    Kleine Ergänzung von John Mearsheimer (prominenter Politologe, auf internationale Beziehungen spezialisiert):

    “… this is the most dangerous crisis since the Second World War. I think it’s actually more dangerous than the Cuban Missile Crisis, which is not to minimize the danger of that crisis. But I think basically what we have here is a war between the United States and Russia and there’s no end in sight.”

    https://usrussiaaccord.org/acura-viewpoint-transcript-of-john-mearsheimers-april-7th-presentation/

    Auf Deutsch:
    https://globalbridge.ch/ukraine-es-ist-ein-krieg-zwischen-den-usa-und-russland/

  9. Jochen Schmidt

    Noch ein paar Hinweise:

    “… the World Trade Organisation … has cut its goods trade growth forecast by a third because of the shortage of commodities caused by the war in Ukraine and, more importantly, the sanctions brought in by Biden, Johnson et al.

    And the WTO has spotted that the result will be widespread hunger.

    Thirty five African countries obtain food from Ukraine, Russia or both.

    Twenty two African countries import fertiliser from Ukraine, Russia or both.

    It is now expected that wheat prices in some parts of sub-Saharan Africa could rise by up to 85%.

    Hundreds of millions of Africans will die because of the war [ in Ukraine ] and the artificial sanctions which were introduced by the West.

    Global genocide is an excellent way to reduce the world population without anyone noticing. Citizens in the UK and the US are fretting about citizens in Ukraine but don’t seem to care about the big losers – poor people in Africa.”

    https://dailyexpose.uk/2022/04/23/wicked-mad-stupid-or-all-three/

    Apropos “global genocide”: Man wird sich daran erinnern, dass bereits die Corona-Maßnahmen allein im Jahre 2020 rund 130 Mio weitere Tote in den Entwicklungsländern verursacht haben (laut Angaben der UNO).

  10. Jochen Schmidt

    Hier noch ein paar Infos und Quellen zu den Bio-Laboren in der Ukraine:

    https://www.unz.com/mwhitney/uncle-sams-bio-weapons-extravaganza/

    https://www.unz.com/article/the-project-for-a-new-american-century-and-the-age-of-bioweapons-20-years-of-psychological-terror/

    According to the Russian MOD: “… attention is drawn to the fact of a sharp increase in cases of tuberculosis caused by new multi-resistant strains among citizens living in Lugansk and Donetsk people’s republics in 2018. … more than 70 cases of the disease were detected, which ended in a rapid fatal outcome. This may indicate a deliberate infection, or an accidental leakage of the pathogen from one of the biolabs located on the territory of Ukraine.”

    Ähnliche Vorkommnisse hat es offenbar auch in Georgien gegeben.

    • Jochen Schmidt

      Kleine Erinnerung:

      “[…] advanced forms of biological warfare that can “target” specific genotypes may
      transform biological warfare from the realm of terror to a politically useful tool.”

      Quelle:
      REBUILDING AMERICA’S DEFENSES: Strategy, Forces and Resources for a New Century. A Report of The Project for the New American Century, September 2000, page 60.

      Das mit der spezifischen Ausrichtung auf ausgewählte Genotypen scheint in der Corona-Krise bereits umgesetzt worden zu sein.

      • Ingbert Jüdt

        @Jochen Schmidt:

        Vielen Dank für Deine Links, für diesen letzten insbesondere! Das PNAC ist Bushs Pre-9/11-Think-Tank – es ist nicht geringfügig gruselig zu sehen, welcher Perspektiven schon damals auf dem Radar amerikanischer Politiker waren!

        • Jochen Schmidt

          Und nicht vergessen: Demnächst – schon ab diesem Jahr? – gehen all unsere Gesundheitsdaten von den Arzt-Praxen / Krankenhäusern direkt in die Daten-Clouds von US-Firmen (MS-Microsoft, Amazon usw.). Und was das bedeutet, wissen wir ja spätestens seit Edward Snowden …

  11. Jochen Schmidt

    Former President George W. Bush: “The decision of one man to launch a wholly unjustified and brutal invasion of Iraq — I mean: of Ukraine … all right, anyway”:

    https://twitter.com/sahilkapur/status/1527092111195226114

  12. Jochen Schmidt

    Hier noch ein paar Infos zu den Bio-Laboren in der Ukraine:

    https://www.strategic-culture.org/news/2022/05/13/empire-of-bioweapon-lies/

    “The provisional results of evidence being collected about the work of U.S. bioweapons in Ukraine are simply astonishing. These are the main takeaways.”

  13. Jochen Schmidt

    Hier nochmal die Analyse eines ehemaligen Mitarbeiters des Geheimdienstes:

    https://grahamefuller.com/some-hard-thoughts-about-post-ukraine/

    “American sanctions against Russia have turned out to be far more devastating to Europe than to Russia. The global economy has slowed and many developing nations face serious food shortages and risk of broad starvation.

    There are already deep cracks in the European façade of so-called “NATO unity.” Western Europe will increasingly rue the day that it blindly followed the American Pied Piper to war against Russia. Indeed, this is not a Ukrainian-Russian war but an American-Russian war fought by proxy to the last Ukrainian.”

    • Ingbert Jüdt

      Vielen Dank! Im Augenblick komme ich nicht so recht zum Schreiben, aber ich lese viel. In zwei Wochen stehe ich voraussichtlich wieder an einem offenen Mikrofon und dokumentiere das dann auch hier.

      • pingpong

        Im Augenblick komme ich nicht so recht zum Schreiben, aber ich lese viel.

        Dann kann ich etwas zum Lesen beitragen.

        Der Komplexitätsforschung wurde hier Abgehobenheit und Inhaltsleere vorgeworfen (sinngemäß, ich weiß die genauen Worte nicht mehr). Ich denke dieses Urteil ist nicht zutreffend, und verlinke zum Zweck der sachlichen Auseinandersetzung folgenden einführenden Artikel:
        https://www.hindawi.com/journals/complexity/2020/6105872/

        Money quotes:
        Die Sowjets dachten, sie könnten ihren Kuchen haben und ihn auch essen: Ursprünglich glaubten sie, dass ihre Wirtschaft die kapitalistische übertreffen würde, weil in kapitalistischen Volkswirtschaften so viel Verschwendung entsteht, weil mehrere Unternehmen miteinander konkurrieren, um dieselbe Sache zu tun (Kapitel 16 in [16]). Es wäre viel effizienter, die gesamte wirtschaftliche Produktion zu koordinieren. Doch bei der Schaffung solch groß angelegter Wirtschaftsstrukturen wurde die Komplexität auf niedrigerer Ebene geopfert, was zu einem nicht anpassungsfähigen System führte. Unzureichend regulierte kapitalistische Systeme können auch Redundanz und Anpassungsfähigkeit der Effizienz opfern, was beispielsweise zu einer übermäßigen Konzentration von Marktmacht, schädlichen
        Rückkopplungsschleifen und herdenartigem Verhalten [17-21].

        Die Eurozone bietet ein potenzielles Beispiel für eine Fehlanpassung der Komplexität verschiedener Maßstabsebenen. Die Fiskalpolitik wird überwiegend auf der Ebene der einzelnen Länder betrieben und weist daher eine höhere Komplexität auf der Länderebene, aber relativ wenig Komplexität auf der Ebene der gesamten Eurozone auf, während die Geldpolitik auf der Ebene der gesamten Eurozone betrieben wird und daher eine gewisse Komplexität auf der Ebene der Eurozone, aber keine Variationsmöglichkeit (d. h. keine Komplexität) auf der Ebene der einzelnen Länder aufweist. Viele haben argumentiert, dass die wirtschaftlichen Schwierigkeiten innerhalb der Eurozone dadurch entstanden sind, dass dieses Missverhältnis eine wirksame Interaktion zwischen Finanz- und Geldpolitik verhindert hat [25-29].

        Es mag zwar verlockend sein, die Probleme, die sich aus einem Komplexitätsmissverhältnis ergeben, bestimmten unmittelbaren Ursachen und Ereignisketten zuzuschreiben, doch sind Probleme in der einen oder anderen Form unvermeidlich, wenn das zugrunde liegende Missverhältnis nicht angegangen wird.

        Insbesondere den letzten zitierten Satz halte ich für bedenkenswert.

        • Ingbert Jüdt

          @pingpong:

          Danke, der Artikel macht einen interessanten Eindruck! Ich setze den auf meine Liste. Für mich ist er speziell unter dem Aspekt einer möglichen Computersimulation interessant.

          • pingpong

            Ja, das Thema wird auch angeschnitten. Wobei es weniger darum geht wie konkret man eine Simulation für bestimmte Problemstellungen aufsetzt, sondern hauptsächlich um die Meta-Frage, unter welchen Umständen eine Simulation im üblichen Sinn überhaupt Sinn ergibt:

            More generally, the approach described above is an example of a mean-field theory [41], in which the average behaviors of a system’s components are explicitly modeled and the deviations of the individual components from this average are treated as statistically independent random fluctuations. This approach works very well for systems such as computers, cars, airplanes, and buildings […]
            Mean-field assumptions are also often employed in analyses of biological, social, and economic systems.

            However, when there are sufficiently strong correlations between the components of the system, i.e., when the interactions between a component of the system and a specific set of other components (as opposed to its general interaction with the rest of the system) cannot be neglected, mean-field theory will break down. These systems will instead exhibit large-scale behaviors that arise not solely from the properties of individual components but also from the relationships between components.
            Because their small-scale random occurrences are not statistically independent, complex systems often exhibit large-scale fluctuations not predicted by mean-field theory, such as forest fires, viral content on social media, and crashes in economic markets.

            Ich schreibe “Simulation im üblichen Sinn”, weil es nicht bedeutet dass man komplexe Systeme nicht simulieren kann. Das ist durchaus möglich, wenn man die im Artikel angesprochenen Grundsätze entsprechend berücksichtigt. Die meisten der heutzutage üblichen Simulationsansätze treffen beispielsweise in der einen oder anderen Form eine mean-field Annahme – weswegen sie u.U. mit Vorsicht zu genießen sind. Siehe die regelmäßigen spektakulären Fehlschläge von Vorhersagen in der Pandemie.

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