Sozialwissenschaftliche Vernunft

»Elitendegeneration«

Redebeitrag am Freitag, 24.09.2022 auf dem Karlsruher Friedrichsplatz am Offenen Mikrofon der Veranstaltung »Fassadendemokratie«

Stellen Sie sich zwei Bücherstapel vor: der eine ist drei bis vier Ellen hoch und enthält ausschließlich gesellschaftskritische Fachliteratur aus Mainstream-Verlagen: Suhrkamp, Campus, Rowohlt, Piper, Klett-Cotta, C. H. Beck – im englischen Sprachraum Verso, Penguin, Norton, Harper Collins, sowie die University Presses von Oxford, Cambridge, Yale, Harvard. Der andere Bücherstapel ist drei bis vier Handbreit hoch und enthält sozusagen »Querdenker-Literatur« aus randständigen Verlagen, also Bücher insbesondere von Rubikon, ProMedia, Westend, J.K. Fischer und dergleichen. Wenn Sie nun ausschließlich den kleinen Stapel mit der »Querdenker-Literatur« lesen, dann können Sie eventuell auf die Idee kommen: »Die haben sie doch nicht alle! Was zeichnen die für ein bösartiges und verzerrtes Bild unserer Gesellschaft! Alles Spinner und Aluhut-Träger!«.

Wenn Sie diese Querdenker-Literatur aber im Kontext des großen Stapels an soziologischer und politikwissenschaftlicher Literatur aus den Mainstream-Verlagen lesen, dann werden Sie sehen, dass all die scheinbar kruden und überreizten Thesen der sogenannten Querdenker schlicht und ergreifend konsequent und folgerichtig sind! In diesem Sinne möchte ich etwas dazu sagen, inwieweit die Krise, die wir seit den letzten zweieinhalb Jahren sich entfalten sehen, sich in vielfältiger Weise in den Entwicklungen mindestens des letzten Jahrzehnts bereits angekündigt hat und tatsächlich nur die Zuspitzung dieser Entwicklungen und das Überschreiten einer kritischen Schwelle darstellt.
Die Werte einer Gesellschaft sind nur so viel wert, wie die tatsächliche Entwicklung dieser Gesellschaft sich in der Realität an diesen Werten ausrichtet! Und hier leiden wir seit den letzten dreißig Jahren, seit dem Sieg des Westens im Kalten Krieg 1989, an einer fortschreitenden Degeneration unserer politischen Kultur und des moralischen Bewusstseins unserer Eliten. Dieser Sieg im Kalten Krieg hat unsere Kultur vergiftet, denn seither betrachtet sich der kollektive Westen als Inbegriff des moralisch unangreifbaren Guten der ganzen Welt – ganz unabhängig davon, was wir in der Realität in dieser Welt anrichten, mit der Folge eines fortschreitenden Realitätsverlusts, der uns heute in die Selbstzerstörung führt. Ich will einige Aspekte davon aufzählen, die sich – wie gesagt – alle in der kritischen soziologischen und politikwissenschaftlichen Literatur, also in dem großen der zwei erwähnten Bücherstapel, wiederfinden.

(1) Erstens in der politischen Dimension: Die Demokratien des Westens nach dem Zweiten Weltkrieg waren von Anfang an durch die Angst vor Massenmobilisierung geprägt: starke Regierungen, mächtige Präsidenten, schwache Parlamente. Wahlen mit dem Ziel nicht der Volksbeteiligung, sondern der Elitenzirkulation. Vermeidung plebiszitärer Verfahren. In Deutschland haben sich diese Strukturen durch den privilegierten Status der Parteien verfestigt: Parteien, die im Parlament in eigener Sache entscheiden dürfen: bei den Diäten, bei der Parteienfinanzierung, beim politischen Stiftungswesen, beim Wahlgesetz. Weitere Merkmale sind: Die Entstehung einer Schicht von Berufspolitikern. Die Berufung auf das freie Mandat der Abgeordneten gegenüber dem Volk, aber ihre faktische Abhängigkeit von der Positionierung auf Listenplätzen, und das Insistieren auf der Fraktionsdisziplin, wann immer es ans Eingemachte geht. Ein geistiger Horizont bis maximal zur nächsten Wiederwahl, weshalb regelmäßig Wahlversprechen sofort ins Altpapier gegeben werden, sobald nur die Wahl vorbei ist. Wenn die Wiederwahl scheitert: Drehtüren in Unternehmen oder internationale Organisationen, aus denen man bei günstiger Gelegenheit auch wieder zurückkehrt.

In den Vereinigten Staaten gibt es völlig unabhängig von der unterschiedlichen Innenpolitik der Republikaner und Demokraten die im »Beltwayland«, also in den Vororten Washingtons wohnhaften, politischen und bürokratischen Vertreter des militärisch-industriell-digitalen Komplexes, die die aggressive Ausrichtung der amerikanischen Außenpolitik fest im Griff haben, auch wenn sie damit innenpolitisch das eigene Land ruinieren – das heißt, der als »Verschwörungstheorie« geschmähte »Deep State« ist ein simpler und klar benennbarer soziologischer Tatbestand!

(2) Zweitens in der publizistischen Dimension. Auch hier haben wir Abschließungstendenzen: die zunehmende Rekrutierung von Journalisten aus der Oberschicht und oberen Mittelschicht. Eine geradezu intime Nähe zur Macht und das Bedürfnis, selber in die Politik einzugreifen. Das Bedürfnis, auf der Grundlage des eigenen Bildungsdünkels Volkserzieher zu spielen. Die nie verwundene Kränkung, gegenüber den neuen digitalen Medien an gesellschaftlichem Gewicht verloren zu haben, und eine tiefe Verachtung, wenn sich in diesen Medien einfache Menschen in sprachlich unbeholfener Weise ungefragt zu Wort melden. Immer stärker gilt ein ungeschriebenes Hygieneprinzip: es gibt immer mehr Themen, die »anständige« Journalisten nur mit spitzen Fingern anfassen, nämlich alles, was als sogenannte »Verschwörungstheorie« stigmatisiert wird und den Geruch des ungewaschenen Pöbels trägt. Aber hygienisches Denken ist steriles Denken. Fruchtbar ist nur der Dung, aber der sich immer weiter verengende journalistische Intellekt fühlt sich zu nicht mehr berufen, als ihn mit der Mistgabel der Faktenchecker zur Seite zu schaufeln und ihn als Dreck zu verachten.
Wenn früher der Grundsatz galt: Journalisten machen sich mit keiner Sache gemein, auch mit keiner guten, so gilt heute: Journalisten machen sich mit der Sache des Staates und der Eliten gemein, zu denen sie selbst gehören oder gehören wollen, und erklären sie zur Sache des Guten, ganz gleich, ob sich das auch nur ansatzweise empirisch rechtfertigen lässt! Der journalistische Vorwurf an die Regierungen und Medien anderer Staaten, Propaganda zu betreiben, wird damit zu einer Projektion des eigenen Fehlverhaltens auf den erklärten Gegner. Diese so unkritische wie bedingungslose Parteinahme hat den Mainstream-Journalismus in eine Situation geführt, aus der er ohne Gesichtsverlust nicht mehr zurück kann. Und aus diesem Grund versteigt er sich immer weiter in einen mittlerweile galoppierenden Realitätsverlust.

(3) Drittens in der wissenschaftlichen Dimension. Auch hier mit »Exzellenzuniversitäten« derselbe Trend zu mehr Elite, und mit dem Bologna-Prozess mehr Standardisierung und Konformität im Dienste der »Employability«, der »Beschäftigungsfähigkeit« des Wissens. In der Praxis bedeutet das: die Degradierung ganzer wissenschaftlicher Fachbereiche zu abhängigen Drittmittelbettlern. Die Abspeisung des akademischen Nachwuchses mit Hungerlöhnen und unsicheren Arbeitsstellen bis ins vierte oder fünfte Lebensjahrzehnt. Die Formatierung der Studenten zu Fleißkärtchensammlern, und der Missbrauch ganzer Wissenschaften als Kaderschmieden für politische Ideologie, nämlich im Dienste der »Beschäftigungsfähigkeit« für staatlichen Legitimationsbedarf. Auch hier ist die jüngste Entwicklung nur eine folgerichtige Steigerung: wer als angestellter Akademiker während des Corona-Maßnahmenregimes eine von staatlichen Vorgaben abweichende Meinung geäußert hat, musste damit rechnen, kaltgestellt oder schlicht gefeuert zu werden, und zwar nicht auf staatliche Weisung hin, sondern in vorauseilendem Gehorsam der Universitäten selbst!

(4) Viertens: zur ökonomischen Dimension muss ich nicht viel sagen. Nicht nur als Reaktion auf die Finanzkrise von 2008, sondern erneut kurz vor und während der Corona-Lockdowns, wurden aberwitzige Billionenbeträge an Zentralbankgeld in die Finanzmärkte gepumpt, um sie vor dem erneut drohenden Zusammenbruch zu retten, und während ganze Branchen vor der Pleite standen und große Teile der Bevölkerung in Kurzarbeit geschickt wurden, explodierten an den Börsen erneut die Kurse auf dem Weg zu neuen Spekulationsblasen, wie sie nie zuvor ein Mensch gesehen hat. Und während nun Hartz IV und die Rentensätze nicht einmal in Höhe der Inflationsrate erhöht werden, werden wiederum aberwitzige Beträge für Militärausgaben bewilligt, die die Rüstungsindustrie mit frisch gedruckten Staatsgeldern fluten, während der Arbeitslose weiterhin getreu der neoliberalen Ideologie seinem angeblich selbstverschuldeten Schicksal überlassen wird.

(5) Fünftens und als letzter Punkt der Aufzählung: in der kulturellen Dimension schließlich wird der psychologische Mechanismus der Verdrängung und der Wiederkehr des Verdrängten erkennbar: während wir einerseits jede Schuld und Mitverantwortung für die in den letzten dreißig Jahren vom kollektiven Westen vom Zaun gebrochenen Kriege und Eskalationen, insbesondere auch hinsichtlich des Ukraine-Kriegs, weit und empört von uns weisen, pflegt derselbe kollektive Westen zugleich eine bizarre Schuldreligion, in der er sich selbst zum Sündenbock für jedes Übel dieser Welt ausruft. Diese Schuld wird da bekannt, wo nicht die geringste Gefahr besteht, dass sie zu einer Bedrohung der realen Herrschaftsverhältnisse und der realen Überwachungs- und Repressionsmaßnahmen werden könnte. Es handelt sich um eine Fokussierung auf gesellschaftliche Scheinprobleme, mit der die heutige Unterwerfung unter staatliche Verhaltenskontrolle des Einzelnen aus angeblicher moralischer Verpflichtung allererst eingeübt wurde. Hier stoßen wir auch auf die tieferen Ursachen des historischen Versagens der politischen Linken: denn wer diese moralische Selbstzerknirschung als vermeintlich Privilegierter über Jahre hinweg eingeübt hat, der lässt sich in reflexhafter Schuldbereitschaft auch willig zur vierten und fünften Impfung und zum Maskentragen unter absurdesten Umständen dressieren.

Das Resultat all dieser jahrelangen Entwicklungen ist eine kollektive Bereitschaft des Westens zum Selbstbetrug und ein kumulierender Realitätsverlust, der mittlerweile die Dramatik eines psychotischen Schubs angenommen hat. Ob es um die Untauglichkeit der Lockdowns geht oder um die Untauglichkeit flächendeckenden Maskenzwangs, oder um die Unbrauchbarkeit der PCR-Test und der Inzidenzzahlberechnung, oder um die angeblich drohende Überlastung des Gesundheitswesens, oder um die angebliche Nützlichkeit und Ungefährlichkeit der Impfungen, oder um das angebliche Gerechtfertigtsein massiver Grundrechtseinschränkungen und Demonstrationsverbote, oder um die angebliche Pandemie als Vorwand für Überwachungsstaat und Verhaltensmaßregeln: Die sogenannten Querdenker hatten von allem Anfang an Recht, und zwar in allen wesentlichen Punkten! Nichts von alledem, was uns zu den verschiedenen Aspekten der Krise offiziell erzählt worden ist, hat den Test der Realität bestanden! Aber seit der ursprünglichen Fehlentscheidung, in diese politische Dynamik einzusteigen, kennen unsere Eliten nur noch eine Entwicklungsrichtung: die immer schnellere Steigerung des galoppierenden Wahnsinns und die unterbrechungslose Fortsetzung des Ausnahmezustands aus selbstverschuldeten Anlässen, bei denen auf immer absurdere Art und Weise das eigene Versagen auf externe Faktoren und vermeintlich bösartige Gegner projiziert wird.

Und so wird das Versagen unserer Eliten biblisch, in der Art von Matthäus 5, 13: »Ihr seid das Salz der Erde; wenn aber das Salz fade geworden ist, womit soll es gesalzen werden? Es taugt zu nichts mehr, als hinausgeworfen und von den Menschen zertreten zu werden.«

Eine zentrale Parole unseres Widerstands sollte daher lauten: Keinen Fußbreit Platz mehr für Lüge und Selbstbetrug, keine Beschönigung des Wahnsinns mehr aus falscher Rücksichtnahme. Nichts fürchten unsere Eliten mehr, als wenn man ihnen den Vorwurf der Lüge, des Betrugs und des Selbstbetrugs in Gesicht schleudert! Nichts fürchten sie mehr, als wenn man ihnen ihr politisches Versagen und ihre selbstverschuldete Delegitimierung offen ausspricht. Legitimität kann man nicht befehlen, man kann sie nur messen. Und die Glaubwürdigkeit unserer Eliten endet mit dem einfachen Akt, ihnen diese Glaubwürdigkeit zu entziehen! Es handelt sich um das, was die linguistische Theorie einen Sprechakt nennt: etwas zu tun, indem man etwas sagt. So, wie der Priester sagt: »Ich erkläre euch zu Mann und Frau«, so können wir sagen: wir erklären Eure Glaubwürdigkeit und Eure politische Legitimität für beendet!

Vielen Dank!

Ergänzung: die beiden erwähnten Bücherstapel

Die Liste zählt ohne Anspruch auf Vollständigkeit die Bücher auf, die seit Beginn der Corona-Krise Einfluss auf meine Meinungsbildung hatten.

Die Zuordnung der Titel erfolgt anhand des Verlags, in dem sie erschienen sind. Giorgio Agamben beispielsweise, der mittlerweile als »Querdenker« stigmatisiert wird, ist mit einem Titel in der Mainstream-Literatur vertreten, weil der bei Turia + Kant erscheinen ist. Hans-Joachim Maaz wiederum ist mit unterschiedlichen Titeln einmal hier und einmal dort einsortiert.

Der kleine Bücherstapel

Politik

  • Christ, Alexander (2022): Corona-Staat. Wo Recht zu Unrecht wird, wird Menschlichkeit zur Pflicht. Mainz: Rubikon
  • Desai, Radhika (2020): Geopolitische Ökonomie. Die Nachfolgerin von US-amerikanischer Hegemonie, Globalisierung und Imperialismus. Kassel: Mangroven Verlag
  • Guérot, Ulrike (2022): Wer schweigt, stimmt zu. Über den Zustand unserer Zeit. Und darüber, wie wir leben wollen. Frankfurt: Westend
  • Hochuli, Alex; Hoare, George; Cunliffe, Philip (2022): Das Ende des Endes der Geschichte. Post-Politik, Anti-Politik und der Zerfall der liberalen Demokratie. Wien: Promedia
  • Komlosy, Andrea (2022): Zeitenwende. Corona, Big Data und die kybernetische Zukunft. Wien: Promedia
  • Martyanov, Andrei (2021): Disintegration. Indicators of the Coming American Collapse. Atlanta: Clarity Press
  • Orzechowski, Peter (2021): Durch Corona in die Neue Weltordnung. Rottenburg: Kopp
  • Röper, Thomas (2022): Inside Corona. Die Pandemie, das Netzwerk & die Hintermänner. Die wahren Ziele hinter Covid-19. Gelnhausen: J.K. Fischer Verlag
  • Schreyer, Paul (2018): Die Angst der Eliten. Wer fürchtet die Demokratie? Frankfurt am Main: Westend
  • Unger, Raymond (2021): Vom Verlust der Freiheit. Klimakrise, Migrationskrise, Coronakrise. München: Europa Verlag

Medien

  • Bröckers, Mathias (2016): Der Fall Ken Jebsen oder Wie Journalismus im Netz seine Unabhängigkeit zurückgewinnen kann. Der Macher von KenFM im Gespräch mit Mathias Bröckers. Frankfurt a. M.: Fritz Knapp Verlag
  • Klöckner, Marcus B. (2019): Sabotierte Wirklichkeit. Oder Wenn Journalismus zur Glaubensache wird. Frankfurt: Westend.
  • Klöckner, Marcus B. (2021): Zombie-Journalismus. Was kommt nach dem Tod der Meinungsfreiheit. München: Rubikon.
  • Meyen, Michael (2021): Die Propaganda-Matrix. Der Kampf um freie Medien entscheidet über unsere Zukunft. München: Rubikon
  • Mirbach, Alexis von; Meyen, Michael (2021): Das Elend der Medien. Schlechte Nachrichten für den Journalismus. Köln: Herbert von Halem Verlag
  • Wernicke, Jens (2017): Lügen die Medien? Propaganda, Rudeljournalismus und der Kampf um die öffentliche Meinung. Frankfurt a. M.: Westend

Wissenschaft

  • Lausen, Tom; van Rossum, Walter (2021): Die Intensiv-Mafia. Von den Hirten der Pandemie und ihren Profiten. München: Rubikon.
  • Lütge, Christoph; Esfeld, Michael (2021): Und die Freiheit? Wie die Corona-Politik und der Missbrauch der Wissenschaft unsere offene Gesellschaft bedrohen. München: riva

Ökonomie

  • Häring, Norbert (2021): Endspiel des Kapitalismus. Wie die Konzerne die Macht übernahmen und wie wir sie zurückholen. Köln: Quadriga
  • Pijl, Kees van der (2021): Die belagerte Welt. Corona: Die Mobilisierung der Angst – und wie wir uns daraus befreien können. Ratzert: Der Politikchronist
  • Stelter, Daniel (2019): Das Märchen vom reichen Land. Wie die Politik uns ruiniert. München: FinanzBuch Verlag

Kultur

  • Maaz, Hans-Joachim; Czycholl, Dietmar; Czycholl, Aaron B. (2021): Corona – Angst. Was mit unserer Psyche geschieht. Berlin: Frank & Timme

Der große Bücherstapel

Politik

  • Agamben, Giorgio (2021): An welchem Punkt stehen wir? Die Epidemie als Politik. Berlin: Turia + Kant
  • Alexander, Robin (2021): Machtverfall. Merkels Ende und das Drama der deutschen Politik: Ein Report. München: Siedler
  • Arnim, Hans Herbert von (2017): Die Hebel der Macht und wer sie bedient. Parteienherrschaft statt Volkssouveränität. München: Heyne
  • Barczak, Tristan (2021): Der nervöse Staat. Ausnahmezustand und Resilienz des Rechts in der Sicherheitsgesellschaft. 2. Auflage, revidierte Ausgabe. Tübingen: Mohr Siebeck
  • Baron, Stefan (2021): Ami go home! Eine Neuvermessung der Welt. Berlin: Economic
  • Biebricher, Thomas (2021): Die politische Theorie des Neoliberalismus. Berlin: Suhrkamp
  • Braml, Josef (2012): Der amerikanische Patient. Was der drohende Kollaps der USA für die Welt bedeutet. München: Siedler
  • Braml, Josef (2022): Die transatlantische Illusion. Die neue Weltordnung und wie wir uns darin behaupten können. Originalausgabe. München: C.H. Beck
  • Brown, Wendy (2015): Die schleichende Revolution. Wie der Neoliberalismus die Demokratie zerstört. Berlin: Suhrkamp
  • Crouch, Colin (2008): Postdemokratie. Frankfurt a. M.: Suhrkamp
  • Crouch, Colin (2021): Postdemokratie revisited. Berlin: Suhrkamp
  • Dohnanyi, Klaus von (2022): Nationale Interessen. Orientierung für deutsche und europäische Politik in Zeiten globaler Umbrüche. München: Siedler
  • Esders, Michael (2020): Sprachregime. Die Macht der politischen Wahrheitssysteme. Lüdinghausen: Manuscriptum
  • Fukuyama, Francis (1989): The End of History? In: The National Interest 16 (Summer 1989), S. 3–18
  • Fukuyama, Francis (1992, 2006): The End of History and the Last Man. With a New Afterword. New York: Free Press
  • Guérot, Ulrike (2017): Warum Europa eine Republik werden muss. Eine politische Utopie. Erweiterte und aktualisierte Taschenbuchausgabe. München: Piper
  • Harcourt, Bernard (2019): Gegenrevolution. Der Kampf der Regierungen gegen die eigenen Bürger. Frankfurt a. M.: S. Fischer
  • Hartmann, Michael (2018): Die Abgehobenen. Wie die Eliten die Demokratie gefährden. Frankfurt a. M. – New York: Campus
  • Heisterhagen, Nils (2018): Die liberale Illusion. Warum wir einen linken Liberalismus brauchen. Bonn: Dietz
  • Hofstetter, Yvonne (2018): Das Ende der Demokratie. Wie die künstliche Intelligenz die Politik übernimmt und uns entmündigt. München: Penguin
  • Lüders, Michael (2021): Die scheinheilige Supermacht. Warum wir aus dem Schatten der USA heraustreten müssen. München: C.H. Beck
  • Klüver, Reymer; Wernicke, Christian (2012): Amerikas letzte Chance. Warum sich die Weltmacht neu erfinden muss. Berlin: Berlin-Verlag
  • Kotkin, Joel (2020): The Coming of Neo-Feudalism. A Warning to the Global Middle Class. New York, London: Encounter Books
  • Lofgren, Mike (2016): The Deep State. The Fall of the Constitution and the Rise of a Shadow Government. New York: Penguin Books
  • Mahbubani, Kishore (2019): Has the West Lost It? A Provocation. London: Penguin Books
  • Mahbubani, Kishore (2020): Has China Won? The Chinese Challenge to American Primacy. New York: PublicAffairs
  • Mandelbaum, Michael (2005): The Case for Goliath. How America Acts as the World’s Government in the Twenty-First Century. New York: Public Affairs
  • Mandelbaum, Michael (2016): Mission Failure. America and the World in the Post-Cold War Era. New York: Oxford University Press
  • Mann, Michael (2003): Die ohnmächtige Supermacht. Warum die USA die Welt nicht regieren können. Frankfurt a. M.: Campus
  • Mearsheimer, John J. (2014): The Tragedy of Great Power Politics. Updated edition. New York, London: W.W. Norton & Company
  • Mearsheimer, John J. (2018): The Great Delusion. Liberal Dreams and International Realities. New Haven, London: Yale University Press
  • Papier, Hans-Jürgen (2021): Freiheit in Gefahr. Warum unsere Freiheitsrechte bedroht sind und wie wir sie schützen können. München: Heyne
  • Sachs, Jeffrey D. (2018): A New Foreign Policy. Beyond American Exceptionalism. New York: Columbia University Press
  • Schäfer, Armin; Zürn, Michael (2021): Die demokratische Regression. Die politischen Ursachen des autoritären Populismus. Berlin: Suhrkamp
  • Schwab, Klaus; Malleret, Thierry (2020): COVID-19. The Great Reset. O. O.: Agentur Schwiz
  • Stegemann, Bernd (2018): Die Moralfalle. Für eine Befreiung linker Politik. Berlin: Matthes & Seitz
  • Wendt, Björn; Klöckner, Marcus B.; Pommrenke, Sascha; Walter, Michael (Hrsg.) (2016): Wie Eliten Macht organisieren. Bilderberg & Co.: Lobbying, Thinktanks und Mediennetzwerke. Hamburg: VSA-Verlag
  • Wolin, Sheldon S. (2017): Democracy Incorporated. Managed Democracy and the Specter of Inverted Totalitarianism. Princeton: Princeton University Press
  • Zürn, Michael (2018): A Theory of Global Governance. Authority, Legitimacy, and Contestation. Oxford: Oxford University Press.

Medien

  • Brosda, Carsten (2008): Diskursiver Journalismus. Journalistisches Handeln zwischen kommunikativer Vernunft und mediensystemischem Zwang. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
  • Esders, Michael (2020): Sprachregime. Die Macht der politischen Wahrheitssysteme. Lüdinghausen: Manuscriptum
  • Hachmeister, Lutz (2007): Nervöse Zone. Politik und Journalismus in der Berliner Republik. 1. Aufl. München: Deutsche Verlags-Anstalt
  • Meinhardt, Birk (2020): Wie ich meine Zeitung verlor. Ein Jahrebuch. Berlin: Das Neue Berlin.
  • Meyer, Thomas (2015): Die Unbelangbaren. Wie politische Journalisten mitregieren. Berlin: Suhrkamp

Wissenschaft

  • Bogner, Alexander (2021): Die Epistemisierung des Politischen. Wie die Macht des Wissens die Demokratie gefährdet. Ditzingen: Reclam
  • Demuth, Volker (2018): Der nächste Mensch. Berlin: Matthes & Seitz
  • Fuchs, Thomas (2020): Verteidigung des Menschen. Grundfragen einer verkörperten Anthropologie. Berlin: Suhrkamp
  • Hagner, Michael (Hg.) (2008): Die Transformation des Humanen. Beiträge zur Kulturgeschichte der Kybernetik. Frankfurt a. M.: Suhrkamp
  • Viertbauer, Klaus; Kögerler, Reinhart (Hg.) (2019): Neuroenhancement. Die philosophische Debatte. Berlin: Suhrkamp

Ökonomie

  • Crouch, Colin (2013a): Das befremdliche Überleben des Neoliberalismus. Berlin: Suhrkamp
  • Crouch, Colin (2013b): Jenseits des Neoliberalismus. Ein Plädoyer für soziale Gerechtigkeit. Wien: Passagen Verlag
  • Goffart, Daniel (2019): Das Ende der Mittelschicht. Abschied von einem deutschen Erfolgsmodell. Berlin: Berlin Verlag
  • Hudson, Michael (2016): Der Sektor. Warum die globale Finanzwirtschaft uns zerstört. Stuttgart: Klett-Cotta
  • Hudson, Michael (2021): Super Imperialism. The Economic Strategy of American Empire. Third Edition. Dresden: ISLET
  • Hudson, Michael (2022): Destiny of Civilization. Finance Capitalism, Industrial Capitalism or Socialism. Dresden: ISLET
  • Mirowski, Philip (2019): Untote leben länger. Warum der Neoliberalismus nach der Krise noch stärker ist. Berlin: Matthes & Seitz
  • Panitch, Leo; Gindin, Sam (2013): The Making of Global Capitalism. The Political Economy of American Empire. London – New York: Verso
  • Paul, Axel T. (2017): Theorie des Geldes zur Einführung. Hamburg: Junius
  • Pettifor, Ann (2018): Die Produktion des Geldes. Ein Plädoyer wider die Macht der Banken. Sonderausgabe für die Bundeszentrale für Politische Bildung. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung
  • Piketty, Thomas (2014): Das Kapital im 21. Jahrhundert. München: C. H. Beck.
  • Sahr, Aaron (2018): Ungleichheit auf Knopfdruck. Die Spielregeln des Keystroke-Kapitalismus. Sonderausgabe für die Bundeszentrale für Politische Bildung. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung
  • Sahr, Aaron (2022): Die monetäre Maschine. Eine Kritik der finanziellen Vernunft. München: C.H. Beck
  • Slobodian, Quinn (2018): Globalists. The End of Empire and the Birth of Neoliberalism. Cambridge, London, Ann Arbor: Harvard University Press (deutsche Ausgabe bei Suhrkamp)
  • Streeck, Wolfgang (2013): Gekaufte Zeit. Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus. Frankfurter Adorno-Vorlesungen 2012. Berlin: Suhrkamp
  • Streeck, Wolfgang (2016): How will Capitalism End? Essays on a Failing System. London, New York: Verso
  • Streeck, Wolfgang (2021): Zwischen Globalismus und Demokratie. Politische Ökonomie im ausgehenden Neoliberalismus. Berlin: Suhrkamp.
  • Tooze, Adam (2019): Crashed. Wie die Finanzkrise die Welt verändert hat. München: Pantheon
  • Wullweber, Joscha (2021): Zentralbankkapitalismus. Transformationen des globalen Finanzsystems in Krisenzeiten. Berlin: Suhrkamp
  • Zuboff, Shoshana (2018): Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus. Frankfurt a. M., New York: Campus Verlag.

Kultur

  • Bolz, Norbert (2020): Die Avantgarde der Angst. Berlin: Matthes & Seitz
  • Maaz, Hans-Joachim (2013): Die narzisstische Gesellschaft. Ein Psychogramm. München: C.H. Beck.
  • Muray, Philippe (2020): Das Reich des Guten. Berlin: Matthes & Seitz
  • Paoli, Guillaume (2017): Die lange Nacht der Metamorphose. Über die Gentrifizierung der Kultur. Berlin: Matthes & Seitz Berlin
  • Paoli, Guillaume (2019): Soziale Gelbsucht. Berlin: Matthes & Seitz
  • Pfaller, Robert (2018): Erwachsenensprache. Über ihr Verschwinden aus Politik und Kultur. Frankfurt a. M.: Fischer
  • Rosa, Hartmut (2016): Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung. Berlin: Suhrkamp

13 Kommentare

  1. uepsilonniks

    Danke, es ist alles so zum…

  2. Beweis

    Irgendwie tue ich mich immer wieder mit dem verbreiteten Begriff “Eliten” schwer. Eliten in was?
    Steckt da wieder ein nebulöser Machtbegriff dahinter? Jemand der Dinge entscheiden kann, denen viele andere folgen müssen?
    Sind unsere Regierungsvertreter Eliten für eine Legislaturperiode? Und dann nicht mehr, wenn sie nach der Amtszeit keinen einflussreichen Posten in einem Lobbyverband oder der Wirtschaft einnehmen?

    Ich kann das nicht greifen. Feudalistische Strukturen hingegen kann ich nachvollziehen, individuellen Opportunismus auch. Gepaart mit der vollen Dosis Narzissmus, anderen die eigene “Erkenntnis” überzuhelfen und sie permanent zu ihrem “Glück” zu zwingen.

    Wie ist das in den USA? Da wird nun auf einen “Deep State” fokussiert. Namenlose Bürokraten in Vororten von Washington. Sind die auch Teil der Eliten? Aber Biden nicht? Der ist doch der Chef von dem Ganzen, auch wenn er durch einen Knopf im Ohr permanent instruiert wird.

    Man müsste doch versuchen, die Ideengeber und die Umsetzenden hinter all dem Wahnsinn zu identifizieren und zu benennen. Die machen uns das sogar ganz leicht, die verstecken sich gar nicht.

    Gates schreibt Bücher über die Durchimpfung der Welt mit mRNA. Zack, kommt eine aggressive Impfkampagne.
    Schwab und das WEF veröffentlichen ähnlich größenwahnsinnige Pläne, wie sie die Bevölkerungen steuern und letztlich unterwerfen wollen. Zack, haben wir BigData, QR-Codes als Legitimation für Freizügigkeit und beerdigen jeden Datenschutz.
    Biden kündigt an, Nord Stream zu beenden. Zack, fliegen die Röhren in die Luft.

    Was sind diese Eliten? Gehört da etwa auch Lauterbach dazu? Ernsthaft?
    Ich finde, diese Protagonisten das neuartigen globalen Paternalismus brauchen eine eigene Bezeichnung. Aber mir fällt keine ein.

    • Ingbert Jüdt

      @Beweis:

      Eine Definition für »Elite« kann ich wörtlich bei Michael Hartmann (aus »Die Abgehobenen«) entnehmen:

      »Elite … sind jene Personen, die qua Amt oder … qua Eigentum in der Lage sind, gesellschaftliche Entwicklungen maßgeblich zu beeinflussen. Der zentrale Maßstab für die Zugehörigkeit zu einer Elite ist daher die Macht, über die eine Person verfügt.« (S. 33)

      Hauptdimensionen der Machtausübung sind in einer kapitalistischen Gesellschaft dabei politische Macht und großes Vermögen, das mit dem Ziel er Machtausübung zum Einsatz kommt. Mit den Beispielen von Hartmann: Gunter Sachs und die Baronin von Brandtstetter waren/sind enorm reich, konsumier(t)en ihren Reichtum aber nur privat, üb(t)en darüber keine Macht aus und gehör(t)en daher nicht zur Elite. Bill Gates dagegen übt mit seinem Vermögen große Macht (bei »Corona« wesentlichen) über seinen Einfluß auf die WHO aus und gehört daher zur Elite.

      Und solange Lauterbach als Gesundheitsminister die deutsche Corona-Politik festlegt, gehört auch er zur Elite. Bei Schwab und dem WEF kann man fragen, wieviel Macht sie tatsächlich ausüben – ich halte sie nicht für die zentrale »Verschwörungsdrehscheibe«, als die sie weithin wahrgenommen werden, sondern sie wählen vor allem geeignetes Personal für eine potentielle Kooptation in Elitennetzwerke aus, indem sie eine Ideologie formulieren, die dann als Messlatte für ideologische Konformität dienen kann. Damit sind sie gleichsam die Buchhalter Nomenklatura des liberalen Imperiums.

  3. elmardiederichs

    Mal wieder sehr schön gemacht – danke.

  4. pingpong

    Schade, dass hier hauptsächlich schales Gruppen- und Identitätsdenken präsentiert wird.

    Sich als Dissident zu identifizieren ist wie zu sagen: “Ich will nicht dass wir gewinnen, ich will bei den Losern das Sagen haben.”

    Wir sind nicht Opfer der derzeitigen Situation, sondern deren Architekten.

    • Ingbert Jüdt

      @pingpong:

      Das kann ich nicht nachvollziehen. An welchen Aussagen machst Du »Gruppen- und Identitätsdenken« (ob schal oder würzig) fest? Und wer ist das »wir«, das Du als »Architekt« identifizierst? Das des letzten Absatzes, also »der Widerstand«?

      • pingpong

        Das kann ich nicht nachvollziehen. An welchen Aussagen machst Du »Gruppen- und Identitätsdenken« (ob schal oder würzig) fest?

        Fängt an bei den zwei Bücherstapeln “Mainstream-Literatur” vs “Querdenker-Literatur”, setzt sich fort bei “den Eliten” vs “die normalen Leute bzw. der Pöbel” bis zu “der kollektive Westen bzw die Deomkratien des Westens” vs … ja was eigentlich?

        Und wer ist das »wir«, das Du als »Architekt« identifizierst? Das des letzten Absatzes, also »der Widerstand«?

        Nein, die beiden Sätze sind unabhängige Gedanken ohne inhaltlichen Bezug aufeinander. Mit “wir” im letzten Satz meine ich ganz allgemein uns alle, im Sinn von “Der Staat sind wir”.

        • pingpong

          Nachtrag:

          “Links” vs “Rechts” ist BS
          “Westl. Demokratie” vs “Schurkenstaaten” ist BS
          “Eliten” vs “Normale Leute” ist BS

          Wie kann man die Macht wieder zurück in die Hände des Volkes bringen?

          STOP mit der Identifikation mit Labels, Parteien, Etiketten.
          STOP mit dem gedankenlosen Konsumieren und dem Exportieren unseres Geldes an globale Konzerne

          Fokus auf LOKAL.

          • Ingbert Jüdt

            @pingpong:

            Hier geht es zum einen um externe Zuschreibungen. Als »Querdenker« haben sich einige Leute selbst bezeichnet, die meisten wurden als solche geframed, mit der Absicht, die Bevölkerung in gute Untertanen und Schmuddelkinder zu spalten nach dem Prinzip: wer nicht für uns ist, ist gegen uns.

            »Westliche Demokratie« vs »Schurkenstaaten« ist ebenfalls eine Polarisierung der Regierungspropaganda, die USA als angeblicher Inbegriff ersterer haben aber natürlich selbst genug Schurkenpotential offenbart.

            »Links« vs »Rechts« ist eigentlich keine Polarität, sondern ein Kontinuum (darum ist »rechtsoffen« eine absurde Vokabel, denn die Linkspartei ist »rechtsoffen«, wenn sie im Osten mit der SPD koaliert). Darum ist auch das »als-rechts-denunzieren« faktisch nicht nur völlig inhaltsleer, sondern gerade ein Versuch, die Auseinandersetzung über Inhalte zu vermeiden.

            Wie man »Eliten« definieren kann, habe ich gerade zum Kommentar von @Beweis erläutert, und der »Pöbel« greift natürlich wieder ironisierend eine externe Stigmatisierung auf.

            Das »Wir« als »Architekt« zu definieren, ist wiederum bestenfalls eine abstrakte Wunschvorstellung. Denn jede politische Architektur wurde bislang tatsächlich von »den Eliten« definiert, nicht vom nominellen Souverän, dem Volk.

            »Wie kann man die Macht wieder zurück in die Hände des Volkes bringen?«

            Setzt voraus, dass sie sich jemals dort befunden hat. Ich glaube, das war nur in kurzen Abschnitten der großen Revolutionen (England Amerika, Frankreich, Russland) überhaupt jemals der Fall. Bislang waren »die Eliten« sehr effektiv darin, diese Macht auf sich selbst einzuschränken.

          • pingpong

            @djadmoros:

            Wie gesagt, mir liegt wenig an diesen Labels und Schubladen und der Identifikation mit ihnen.

            Wie man »Eliten« definieren kann, habe ich gerade zum Kommentar von @Beweis erläutert, und der »Pöbel« greift natürlich wieder ironisierend eine externe Stigmatisierung auf.
            Das »Wir« als »Architekt« zu definieren, ist wiederum bestenfalls eine abstrakte Wunschvorstellung. Denn jede politische Architektur wurde bislang tatsächlich von »den Eliten« definiert, nicht vom nominellen Souverän, dem Volk.

            Hier ist das Problem solcher Etikettierungen und Labels: Es dreht sich im Kreis.

            Natürlich wurde jede politische Architektur bislang von den Eliten definiert – denn Elite sind “jene Personen, die qua Amt oder … qua Eigentum in der Lage sind, gesellschaftliche Entwicklungen maßgeblich zu beeinflussen. Der zentrale Maßstab für die Zugehörigkeit zu einer Elite ist daher die Macht, über die eine Person verfügt.”

            Was du als abstrakte Wunschvorstellung beklagst, ergibt sich schlicht aus deiner Definition von “Elite” und der Gegenübersetzung zum “Volk”. Wie sollte denn “das Volk” als nomineller Souverän die politische Architektur definieren oder ändern, wenn jede Person die tatsächlich die Macht dazu hat, qua Definition nicht mehr zum Volk sondern automatisch zur Elite zählt?

            Das ist das Gruppen- und Identitätsdenken. Es ist m.E. nicht zielführend.

          • Ingbert Jüdt

            @pingpong:

            Noch einmal: der Begriff »Elite« ist ein empirischer Begriff aus den Sozialwissenschaften. Das bedeutet: sollte es eines Tages gelingen, die Macht- und Besitzverhältnisse einer Gesellschaft so weit zu nivellieren, dass die Möglichkeit der politischen Einflussnahme für alle Bürger eines Staates tatsächlich ähnlich groß ausfällt, wäre der Begriff (und die Gegenüberstellung von »Volk« und »Elite«) aus empirischen Gründen hinfällig.

            Vielleicht würde dann noch der Begriffsgehalt einer reinen Funktionselite übrig bleiben, der die Inhaber bestimmter Ämter beschreibt. Aber im Kreis drehen sich die Definitionen darum nicht, weil sie der Messung von Sachverhalten (sozialen Tatbeständen) dienen.

            Tatsächlich muss (meines Erachtens) die Demokratie so reformiert werden, dass sie nicht mehr nur auf eine Elitenzirkulation abzielt, wie das in den Nachkriegsdemokratien des Westens der Fall war. Man kann es insofern als praktisch-politisches Ziel formulieren, die Unterscheidung von Volk und Elite obsolet zu machen.

          • pingpong

            “sollte es eines Tages gelingen, die Macht- und Besitzverhältnisse einer Gesellschaft so weit zu nivellieren, dass die Möglichkeit der politischen Einflussnahme für alle Bürger eines Staates tatsächlich ähnlich groß ausfällt, wäre der Begriff (und die Gegenüberstellung von »Volk« und »Elite«) aus empirischen Gründen hinfällig.
            […]
            Man kann es insofern als praktisch-politisches Ziel formulieren, die Unterscheidung von Volk und Elite obsolet zu machen.”

            Du meinst, wenn alle “Elite” sind, dann braucht man nicht mehr zwischen Elite und Volk zu unterscheiden?
            https://www.youtube.com/watch?v=A8I9pYCl9AQ

            Bist du sicher dass es sich bei diesem Ziel nicht um eine abstrakte Wunschvorstellung handelt?

            Oder haben wir das Ziel einfach nur noch nicht “ordentlich” und “mit den richtigen Mitteln” versucht zu erreichen? 😉

            Praktisch-politisch gesprochen fürchte ich wird man um folgende Wahrheit nicht herumkommen: Demokratie i.S.v “dass die Möglichkeit der politischen Einflussnahme für alle Bürger eines Staates tatsächlich ähnlich groß ausfällt” gibt es in dieser Form nicht. So eine Demokratie funktioniert maximal auf der Größenordnung eines Dorfes, da kann “jeder” mitreden und gestalten. Auf Größenordnung des Staates funktioniert es nicht. Nicht einmal in der Schweiz.

            Der Satz “Wir sind nicht Opfer der derzeitigen Situation, sondern deren Architekten” ist keine abstrakte Wunschvorstellung, weil er sich nicht nur auf die politische Ebene beschränkt. Eventuell war meine Erklärung das “wir” wären wir alle wie in “Der Staat sind wir” missverständlich. Du kannst statt Staat auch Gesellschaft, Gemeinschaft, o.ä. einsetzen. Ich wollte es nicht primär auf das politische Gebilde “Staat” beziehen.

          • pingpong

            Wochenend-Lektüre:
            Kommentar über politische Systeme und das Problem Führungspersönlichkeiten dafür auszuwählen.
            https://necsi.edu/complexity-rising-from-human-beings-to-human-civilization-a-complexity-profile


            It is also possible to make a connection to internal structural changes that are taking place in social and economic systems. Complex systems that display complex collective behavior are structured as networks. By contrast, the traditional human social structure, whether in government or in industry, has been based upon control hierarchies. Just as a single neuron is not able to dictate the behavior of a neural system, an emergent complex network of human beings may not be directed by a single human being.

            In this context, the traditional conflict between individual and collective good and rights should be revisited. This philosophical and practical conflict manifested itself in the conflict between democracy and communism. It was assumed that communism represented an ideology of the collective while democracy represented an ideology of the individual. The transition to a complex organism implies that this conflict has been resolved, not in favor of one or the other, but rather in favor of a third category, an interdependent complex collective formed out of diverse individuals. The traditional collective model was a model that relied upon uniformity of the individuals rather than diversity. Similarly, the ideology of the individual did not view the individual in relation to the collective, but rather the individual serving himself or herself. It should be acknowledged that both philosophies were deeper than their caricatures would suggest. The philosophy of democracy included the idea that the individualistic actions would also serve the benefit of the collective, and the philosophy of communism included the idea that the collective would benefit the individual. Nevertheless, the concept of civilization as a complex organism formed out of human beings is qualitatively different than either form of government.

            Deine Vorstellung von Demokratie funktioniert nicht. Sie kann nicht funktionieren, weil sie den Anforderungen die sich aus den Herausforderungen (politisch, wirtschaftlich, sozial) der modernen Welt ergeben nicht gewachsen ist.

            Die Erkenntnis, dass der real existierende Kommunismus als Ideologie des Kollektiven nicht funktionieren kann, ist 30 Jahre nach Zusammenbruch der Sowjetunion auf breiter Basis gesickert.
            Es wird interessant sein zu sehen, wie lange es dauert bis die Erkenntnis dass die andere Seite der Medaille, nämlich die Ideologie des Individuellen in Form der Demokratie (“dass die Möglichkeit der politischen Einflussnahme für alle Bürger eines Staates tatsächlich ähnlich groß ausfällt”), ebenfalls nicht funktioniert.

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