Sozialwissenschaftliche Vernunft

»Unzulässige Äußerungen« – wofür »Telepolis« Schreibsperre erteilt

Telepolis hat einen Foren-Kommentar von mir gesperrt. Das allein ist nicht weiter bemerkenswert, und auch schon mal zu Recht erfolgt in den wenigen Fällen, in denen ich einem Forenten gezielt eine ausgewählte Beleidigung ausgesprochen habe. Im nachfolgend dokumentierten Fall geht es allerdings nicht um eine Beleidigung, sondern um eine Sachbehauptung, und damit – angesichts der Begründung der Sperre – um Inhalte und um die Grenzen des Sagbaren – wenig überraschend beim Reizthema »Ukraine-Krieg«.

Bei dem Artikel, zu dem ich den betreffenden Kommentar gepostet hatte, handelt es sich um »Sechs Monate Ukraine-Krieg: Eine verheerende humanitäre Bilanz« von David Goeßmann, veröffentlicht am 26. August 2022. An dem Artikel selbst habe ich nicht viel zu beanstanden. Ich finde es im Gegenteil anerkennenswert, dass der Autor auch die Kritik von Amnesty International am Vorgehen des ukrainischen Militärs erwähnt und auf das Massaker von Butscha ohne Vorwegnahme einer Schuldzuweisung Bezug nimmt, indem er korrekt von »schweren Vorwürfen« gegen die russischen Truppen spricht. In meinem Kommentar aufgespießt habe ich aber die vom Autor schon im Teaser zitierte Aussage der Vereinten Nationen: »Die UN sagt: Russland muss den sinnlosen Krieg beenden.« Ich habe nämlich geschrieben (vollständiges Zitat):

»Russland muss den Krieg beenden«?!

Der russische Einmarsch wurde in Washington beschlossen und durch fortgesetzte Ermutigung der Ukraine zu jeder beliebigen Eskalation schließlich ausgelöst. Die Kampfhandlungen werden am Laufen gehalten durch fortgesetzte Waffenlieferungen. Die Kampfhandlungen können in dem Moment enden, in denen die NATO die Wahnvorstellung aufgibt, die Ukraine könne noch irgendetwas »gewinnen«, und die Marionette Selenskyi abberufen lässt. Dann wird die Ukraine mehr unwiederbringlich verloren haben, als sie durch eine Erfüllung von Minsk II hätte verlieren müssen.

Der Westen kann sich von da an auf einen Terrorismus angepisster ukrainischer Nazis und internationaler Nazi-Fremdenlegionäre einstellen, die sich eine Dolchstoßlegende aufbauen und mit beiseite geschafften West-Waffen versuchen werden, hier bei uns in West- und Mitteleuropa wenigstens Teile der Mirotvorets-Mordliste doch noch abzuarbeiten. Ersatzweise werden vollbesetzte Moscheen und Synagogen dran glauben müssen.

Brace for Impact!

Erloschener Kommentarlink

Der Kommentar enthält in seinen beiden Absätzen zweierlei: zunächst eine politische Einschätzung der Ursachen des Krieges und sodann eine Prognose über eine von mir für wahrscheinlich gehaltene Folge des Kriegs, sollte er ohne einen »Siegfrieden« der Ukraine über Russland zu Ende gehen. Beides in thesenhafter Zuspitzung und ohne vorsichtige Umschreibung der betreffenden Sachverhalte.

Ohne in eine detaillierte Begründung einzusteigen: meiner Ansicht nach ergibt sich erstere Einschätzung in der Sache dann, wenn man konsequent die Vorgeschichte des Konflikts in der Ukraine seit 2013, also seit dem Beginn der Maidan-Bewegung, mit einbezieht, und sie in den Kontext amerikanischer Geopolitik seit 1991 stellt. Ich meine also tatsächlich genau das, was ich in dem Kommentar schreibe, und übe mich nicht im »Trollen«, also in Provokationsversuchen um der Provokation anstatt um der Sache willen. Meines Erachtens gehört es auch zum »Format« eine Forenkommentars, nicht von vornherein ausführliche Argumentationsgänge zu liefern, sondern je nach konkretem Bedarf in der Erwiderung auf andere Forenten zu ergänzen. In der argumentativen Substanz sage ich im ersten Absatz nichts wesentlich anderes als beispielsweise Stefan Baron in seinem Artikel »Amerika missbraucht Europa« vom 23. Juli 2022 in der Weltwoche (ohne Bezahlschranke republiziert bei Seniora.org)

Das Argument des zweiten Absatzes, die Gefahr eines Schmuggels von an die Ukraine gelieferten Waffen zurück in den Westen, ist inzwischen auch Thema der Mainstream-Medien (z. B. Focus, Berliner Zeitung, Preußische Allgemeine, Tagesschau, Deutschlandfunk schon 2016). Ich füge nur ein spekulatives, aber in meinen Augen nicht unwahrscheinliches Anwendungsszenario an.

Telepolis hat den Kommentar ungefähr drei Stunden nach dem Einstellen gesperrt und auf die »Trollwiese« verschoben.

Nicht alles auf der »Trollwiese« ist auch gesperrt.

Über die Sperrung wird der Forent per Email benachrichtigt und auf den Teil der Regeln hingewiesen, die er nach Ansicht der Foren-Administratoren verletzt haben soll.

Begründung: Aufruf zu oder Gutheißen von oder Ankündigen von »Straftaten«

Das ist eine interessante Begründung. Zum ersten Mal in meiner mehr als siebzehnjährigen Geschichte als Telepolis-Forent mit nicht mehr als einer kleinen Handvoll von Kommentarsperren oder Trollwiesen-Dislozierungen wird Bezug auf »Straftaten« genommen. Diese Begründung ist entweder fahrlässig oder übergriffig. Fahrlässig ist sie, wenn sie sich auf die Prognose rechtsradikaler Terrorangriffe mit geschmuggelten Waffen beziehen sollte, weil sie übersieht, dass die Prognose von Straftaten nicht deren »Ankündigung« im Sinne einer Absichtserklärung oder Drohung ist. Übergriffig ist sie, wenn sie ein politisches Urteil über die tieferen Ursachen des russischen Einmarsches in die Ukraine als das »Gutheißen einer Straftat« deuten sollte.

In jedem Fall ist sie ein Indikator für den Grad, in dem die politische Debatte in der demokratischen Öffentlichkeit dieses (und nicht nur dieses) Landes mittlerweile durch hochdotierte Gaben von Regierungspropaganda über die Kanäle Kanülen der Massenmedien vergiftet worden ist. Ein Indikator dafür, dass die Bandbreite des (um ein auf Bourdieu aufbauendes Argument von Marcus Klöckner aufzugreifen) im journalistischen Feld Sagbaren heute so eng ist, als seien unsere Medien tatsächlich nur die Verlautbarungsorgane der herrschenden Klasse und ihrer Regierungen. Als eines der ersten Online-Medien dieser Republik, das auch sogenannten »Verschwörungstheoretikern« wie Mathias Bröckers eine Plattform geboten hat, steht Telepolis immer schon mit einem Fuß in den Alternativmedien, und meine frühesten Kommentarschlachten habe ich dort zum Thema »9/11« ausgefochten. Anders als in früheren Jahren beteilige ich mich heute nur noch selten an Forendiskussionen auf Telepolis. Früher habe ich einen Gewinn daraus gezogen, dort Argumente gleichsam im Gefecht erproben zu können und dabei weiterzuentwickeln und zu »härten«. Inzwischen habe ich dafür andere Diskussionsforen, und mit meinem eigenen Blog auch die Möglichkeit, Argumente vor der Publikation zu größeren Zusammenhängen auszubauen.

Tatsächlich war der gesperrte Kommentar ein intuitiv und spontan gestarteter Versuchsballon. Ich hatte instinktiv den Verdacht, dass beim Thema Ukraine-Krieg ein »ungeschützt« formulierter Kommentar, der seine Thesen nicht durch ausführlich explizierte Argumente, diplomatische Umschreibungen und eine Batterie von Links gleichsam CE-zertifiziert, bei Telepolis mittlerweile ein Problem haben könnte – auf einem Forum, das für den Grobianismus seiner Kommentatoren legendär ist. Die Bestätigung bekam ich prompt geliefert. Da mein Mitteilungsbedarf bei Telepolis in den letzten Jahren gegen Null konvergiert ist, trifft mich die Schreibsperre allerdings auch nicht. Zu den Aussagen des Kommentars stehe ich jedoch. Quod scripsi, scripsi.

Literatur:

Klöckner, Marcus B. (2019), Sabotierte Wirklichkeit. Oder Wenn Journalismus zur Glaubensache wird. Frankfurt a. M.: Westend

18 Kommentare

  1. uepsilonniks

    Die zensieren wenigstens einigermaßen transparent.

    Da gibt es ganz andere Kaliber, die nicht dazu stehen, weshalb Fragen wie “Warum wurde meine Beitrag nicht freigeschaltet?” ebenfalls nicht freigeschaltet werden.

    Ich träume von einer freien Debatte. Die gibt es nirgendswo mehr.

  2. pingpong

    Bemerkenswerte Asymmetrie:

    Es scheint, als ob Putin-Kritiker in Russland sehr viel öfter von Defenestrationen (oder ähnlicher letaler Unbill) betroffen sind, als Putin-Versteher im Westen.

    • Ingbert Jüdt

      @pingpong:

      Da nun auch die Ukraine zu unserem heiligen Wertewesten gerechnet wird, solltest Du vielleicht diese Aufzählung hier in Deine Bilanzierung einschließen.

      • Jochen Schmidt

        Das Praktische an solchen Vokabeln wie “Putin-Versteher” ist ja, dass man mit ihrer Hilfe sehr schön verdecken kann, dass Leute, die grundsätzliche Kritik an der Kriegs-Politik und Kriegs-Propaganda der NATO-Staaten üben (im Hinblick auf den Konflikt zwischen der Ukraine und Russland), dass solche Leute dem allgemeinen politischen Ansatz der russischen Führung (z. B. dem Ansatz Putins) typischerweise kritisch gegenüberstehen. Diese Leute kritisieren typischerweise
        – autoritäre, teilweise totalitäre
        – undemokratische
        – anti-liberale
        – teilweise nationalistische
        Tendenzen und Vorgehensweisen der allgemeinen russischen Politik, insbes. Putins.

        Doch diese Kritik wird mit Vokabeln wie “Putin-Versteher” verdeckt. Und damit wird der Eindruck erweckt, dass jemand, der grundsätzliche Kritik an der Kriegs-Politik und Kriegs-Propaganda der NATO-Staaten übt, der also ein Putin-Versteher ist, dass der eben auch die oben genannten und abgelehnten Tendenzen und Vorgehensweisen der russischen Politik gutheißt und befürwortet. Kurz: der Putin-Versteher feiert den Totalitarismus in Russland. Ja, sehr praktisch.

        • Ingbert Jüdt

          @Jochen Schmidt:

          Ich finde, bereits die Verwendung der Formulierung »XYZ-Versteher« ist eine geistige Bankrotterklärung. Dafür bin ich zu sehr Weberianer. Die klassische Formulierung aus Wirtschaft und Gesellschaft lautet:

          »Soziologie (im hier verstandenen Sinn dieses sehr vieldeutig gebrauchten Wortes) soll heißen: eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will. ›Handeln‹ soll dabei ein menschliches Verhalten (einerlei ob äußeres oder innerliches Tun, Unterlassen oder Dulden) heißen, wenn und insofern als der oder die Handelnden mit ihm einen subjektiven Sinn verbinden. ›Soziales‹ Handeln aber soll ein solches Handeln heißen, welches seinem von dem oder den Handelnden gemeinten Sinn nach auf das Verhalten anderer bezogen wird und daran in seinem Ablauf orientiert ist.«

          Es gibt im Bereich menschlichen Handelns kein Erklären ohne gleichzeitiges Verstehen, weil der »subjektive Sinn« selbst ein Beweggrund des Handelns ist. Wer sich dem Versuch des Verstehens von vornherein verweigert, hat den Boden der Wissenschaft bereits verlassen und betreibt Propaganda oder Religion.

          • pingpong

            @djadmoros:

            Man sollte bedenken, dass der für eine Behauptung erforderliche Begründungsaufwand im Kommentarformat zunächst mal zu kurz kommt. Das Kommentarformat hat aber in meinen Augen auch andere Voraussetzungen, weil der Begründungsaufwand »on demand« erfolgt, also dann, wenn ein Forent durch Widerspruch oder Nachfrage erkennen lässt, dass er an einer Diskussion überhaupt interessiert ist (und man an der Art der Reaktion ablesen kann, ob sich der Aufwand lohnt).
            Mein Kommentar ist also in diesem Sinn spontan und zugespitzt, und die in der Sache möglichen Differenzierungen ergeben sich – bei Bedarf, also wenn sich tatsächlich eine Diskussion entzündet – im Verlauf des Schlagabtausches. Ich denke, eine Forendiskussion sollte dieses verkürzte Format aushalten können.

          • Ingbert Jüdt

            @pingpong:

            Das war tatsächlich gar nicht auf Dich gemünzt, sondern auf Versuche, in der öffentlichen Debatte Russland-Fachleute wie Krone-Schmalz und andere mit der »Putin-Versteher«-Vokabel zu diskreditieren.

          • pingpong

            @djadmoros:

            Das ist sehr wichtiger zusätzlicher Kontext, der aus deinem vorigen Post nicht hervorgeht.

            @topic:
            Das Problem bei Jochens Beitrag ist folgende Gleichesetzung:
            “jemand, der grundsätzliche Kritik an der Kriegs-Politik und Kriegs-Propaganda der NATO-Staaten übt, der also ein Putin-Versteher ist”
            die in dieser Form keinen Sinn ergibt. Jochen macht damit im wesentlichen dasselbe, was er in seinem Beitrag beklagt: Leute über einen Kamm scheren und damit Kritik verdecken.
            Woher sollte der Zusammenhang “Nato-Kriegs-Kritiker = Putin-Versteher” kommen? Das sind zwei Dinge, die erst einmal ganz unabhängig voneinander sind. Nimm mich zum Beispiel. Ich kritisiere die Kriegs-Propaganda der Nato und bin ganz bestimmt kein Putin Versteher.

            Es mag sein, dass es einige Leute gibt, auf die das zutrifft. […] In der Pauschalität wie es in dem Beitrag oben postuliert wird ist das ganze jedenfalls wenig hilfreich.

            (Edit: auf Wunsch des Kommentators gekürzt – I.J.)

          • Ingbert Jüdt

            @pingpong:

            »… zusätzlicher Kontext …«

            Ja, das hätte ich ausdrücklich sagen sollen.

          • pingpong

            Sorry, streiche den Satz mit Alex.

      • pingpong

        Da nun auch die Ukraine zu unserem heiligen Wertewesten gerechnet wird

        In deiner Realität vielleicht.

        ps: Wie stehts mit den Vorbereitungen für die Emigration nach Russland?

        • Ingbert Jüdt

          @pingpong:

          Im Ursprungskontext ging es um das »Sich-Vorstellen-können«. Das »Realisieren-können« ist ein ganz anderes Problem, weil man nicht ohne Weiteres die ganze Existenzgrundlage in ein anderes Land verlagern kann, zumal wenn dies die Existenzgrundlage (und die Sprachkenntnisse) der Lebensgefährtin mit betrifft.

          Während die Bedingungen der Realisierung jedes Zielland einer Emigration betreffen, bezieht sich die Vorstellung darauf, was bei sonst gleichen Bedingungen der Umsetzung die Präferenz wäre.

          • pingpong

            Vorstellen kann man sich viel.

            ps:
            Da habe ich wohl das ps falsch verwendet, weil ich es selbst nicht besser wusste. Wieder was gelernt.
            Für die Diskussion hier relevant wäre das gewesen, was vor dem ps steht. My bad. Aber wie du siehst bin ich lernfähig

  3. Jochen Schmidt

    Ich muss gestehen, dass ich Deinen oben zitierten Beitrag nicht so gelungen finde: Er ist ein wenig unter Deinem Niveau.

    Der zweite Absatz (“Der Westen kann sich von da an auf einen Terrorismus angepisster ukrainischer Nazis und internationaler Nazi-Fremdenlegionäre einstellen, die …”) ist rein spekulativ. Wir wissen nicht, was die frustrierten Nazis der Ukraine im Falle eines Friedens oder zumindest Waffenstillstands tun werden. Diese Leute gibt es ja nicht erst seit dem letzten Frühjahr – bisher sind sie jedenfalls nicht durch Terror-Akte in Westeuropa aufgefallen.

    Im ersten Absatz finde ich Deine Formulierungen ungenau. So passen im ersten Satz die Worte “beschlossen” und “Ermutigungen” nicht. Ich denke mal, Du meinst das, was auch ich meine: Die Führung der USA hat durch eine Reihe von Provokationen den Angriff der Russen ausgelöst – aber sie kann diesen Angriff nicht “beschließen”, das können nur die Angreifer selber tun. Und die Führung der USA hat auch nicht irgendwen ermutigt, sondern sie selbst (also entsprechende Agenten, Militärs usw.) haben in der Ukraine diverse Aktionen gegen die Russen ersonnen und geleitet, z. B. biologische Waffen entwickelt, die dann nach Russland geschleust werden sollten. Klar, dabei haben die Amis wahrscheinlich auch irgendwelche Ukrainer zu irgendwas ermutigt – aber diese Ermutigung ist nebensächlich für den Angriff der Russen.

    Die folgende Aussage (“Die Kampfhandlungen können …”) ist vielleicht korrekt, ist aber auch wieder spekulativ. Wir wissen nicht, wann die russische Führung die Kämpfe einstellen wird, sich zurückziehen wird, od. dgl. Was wir aber wissen: die Bedingungen, welche die russische Führung für eine Beendigung ihres Kampfes genannt hat. Soweit ich mich erinnere sind diese Bedingungen:
    – militärische Neutralität der Ukraine (verifizierbar, nicht bloß als Lippenbekenntnis)
    – Selbstverwaltung für die ukrainischen Gebiete Lugansk und Donbass.

    Woraus sich diese beiden Forderungen ableiten, ist evident. Aber soweit ich weiß, hat die russische Führung bisher keine Einwände gegen Selenskyi als Präsidenten vorgebracht (wohl aber Einwände gegen bestimmte Handlungen Selenskyis). Jedenfalls hängt es nicht von irgendwelchen Wahnvorstellungen der NATO ab, ob die Russen ihren Angriff einstellen.

    Insgesamt, finde ich, machen Deine beiden Absätze nicht so recht klar, warum Du die Forderung »Russland muss den Krieg beenden« (ganz oben) ablehnst. Du willst ja durch die folgenden Zeichen “?!” Widerspruch anmelden. OK, so einen Widerspruch müsste man begründen. Aber Deine beiden folgenden Absätze liefern sicherlich keine stringente Begründung. Dort werden so ein paar Motive genannt, aus denen man sich eine Begründung erstellen könnte, schön – aber diese Motive allein reichen nicht aus.

    Du schreibst ja dann als Kommentar selbst: “Meines Erachtens gehört es auch zum »Format« eine Forenkommentars, nicht von vornherein ausführliche Argumentationsgänge zu liefern, sondern je nach konkretem Bedarf in der Erwiderung auf andere Forenten zu ergänzen” – ja, OK, das kann man so sehen – aber nicht jeder wird das unterschreiben, ich z. B. habe da weit höhere Erwartungen.

    So, dies nur mal so als kurzes Feedback zu Deinem oben zitierten Posting. Meine verkürzte Einschätzung rechtfertigt natürlich in keiner Weise, dass Du von »Telepolis« zensiert und mit einer Schreibsperre versehen worden bist.

    • pingpong

      @jochen:

      Im ersten Absatz finde ich Deine Formulierungen ungenau. So passen im ersten Satz die Worte “beschlossen” und “Ermutigungen” nicht. Ich denke mal, Du meinst das, was auch ich meine: Die Führung der USA hat durch eine Reihe von Provokationen den Angriff der Russen ausgelöst – aber sie kann diesen Angriff nicht “beschließen”, das können nur die Angreifer selber tun.

      Es steht doch explizit da wie es gemeint ist:
      “meiner Ansicht nach ergibt sich erstere Einschätzung in der Sache dann, wenn man konsequent die Vorgeschichte des Konflikts in der Ukraine seit 2013, also seit dem Beginn der Maidan-Bewegung, mit einbezieht, und sie in den Kontext amerikanischer Geopolitik seit 1991 stellt. Ich meine also tatsächlich genau das, was ich in dem Kommentar schreibe

      • Ingbert Jüdt

        @pingpong:

        Jochen hat insofern recht, als der für eine Behauptung erforderliche Begründungsaufwand im Kommentarformat zunächst mal zu kurz kommt. Das Kommentarformat hat aber in meinen Augen auch andere Voraussetzungen, weil der Begründungsaufwand »on demand« erfolgt, also dann, wenn ein Forent durch Widerspruch oder Nachfrage erkennen lässt, dass er an einer Diskussion überhaupt interessiert ist (und man an der Art der Reaktion ablesen kann, ob sich der Aufwand lohnt).

    • Ingbert Jüdt

      @Jochen Schmidt:

      Tatsächlich behandle ich einen Kommentar in einem Online-Forum anders als einen eigenen Blogartikel: Ziel des Blogartikels ist es, so viel Recherche und differenzierte Argumentation wie möglich bereits von vornherein in den Text einzubauen und in einer eventuellen Diskussion an Details zu arbeiten. Ein Forenkommentar ist demgegenüber spontan und zugespitzt, und die in der Sache möglichen Differenzierungen ergeben sich – bei Bedarf, also wenn sich tatsächlich eine Diskussion entzündet – im Verlauf des Schlagabtausches. Wobei das je nach Forum unterschiedlich stark ausgeprägt ist: eine Diskussion auf Telepolis ist häufig deutlich polemischer als etwa bei Alles Evolution.

      In der Sache sind Deine Beobachtungen nicht falsch: aber diese Defizite sind in meinen Augen dem Format geschuldet, und in diesem Fall dokumentiere ich im Blogartikel nur einen eigenen Text aus einem anderen Format. Meiner Meinung nach muss eine Forendiskussion dieses verkürzte Format aushalten können, ohne der Zensur anheimzufallen. Ich bin ja grundsätzlich bereit, genauso einzustecken wie ich austeile, sofern tatsächlich eine intelligente Replik präsentiert wird.

  4. Ingbert Jüdt

    @all: Danke für eure Kommentare! Ich bin im Moment noch in Urlaub mit eingeschränkter Elektronik und Verbindung – ich antworte, sowie ich Zeit und Gelegenheit finde! 🙂

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